Magische Orte und schöne Fachwerkstädte

Die erste Etappe unserer Wohnmobiltour nach Norddeutschland beginnt bei Rödelsee im Frankenland. Dem Main flussabwärts folgend ist Lohr das nächste Ziel. Von Büdingen ist es nicht weit zur Keltenwelt am Glauberg. Über einen schönen Zwischenstopp beim Kloster Arnsburg endet die Etappe in Frankenberg an der Eder. 

28. Juli 2021: Rödelsee

Der Einstiegspunkt unserer Sommertour nach Norddeutschland ist das Weingut Hemberger in Rödelsee. Schon im Juni habe ich hier einen Zwischenstopp eingelegt und Wein gekauft. Eine ideale Möglichkeit, um uns für die nächsten drei Wochen mit einigen gut schmeckenden Tröpfchen einzudecken.

Gleich nach der Ankunft machen wir eine Spazierrunde durch die Weinberge. Hinauf zu den terroir-f Aussichtspunkten von Iphofen und Rödelsee. terroir-f sind 19 magische Orte in den fränkischen Weinbergen mit ganz besonderen Ausblicken. Jeder Ort ist architektonisch  gestaltet und widmet sich einem speziellen Thema rund um den Wein.

Auch die Winzer sind unterwegs, schneiden auf den steilen Weinbergen maschinell die Reben oder, weniger angenehm, sind mit dem Rebenspritzen beschäftigt. Allzu lange können wir die schöne Aussicht an terroir-f Stellen nicht genießen, denn um 15 Uhr haben wir uns mit Hans verabredet. Er bringt ein paar Leckereien vom Bäcker mit, die wir beim Kaffee auf der Picknickbank am Stellplatz verdrücken.

29. Juli 2021: Nach Lohr am Main

Vor der Abreise am nächsten Morgen besuchen wir den Verkaufsraum des Weingutes. Ein lustiges Rentnertrüppchen ist auch schon da und belagert bei einer ausgiebigen Weinprobe ausgelassen den Verkaufstresen. Nach einiger Zeit können wir, 4 Weinkartons schwerer, zu unserem nächsten Ziel aufbrechen.

Oberhalb des schönen Weindorfes Sommerhausen liegt eine weitere terroir-f Station, die sich dem Thema Wein und Kunst widmet. Bei Sonnenschein und mäßigen Temperaturen ist es angenehm durch die Weinberge zu laufen.

Im Dorfladen in Sommerhausen besorgen wir noch ein paar Lebensmittel, leider gibt es dort keinen “Rieslaner”(eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner). Den hätte Heike zu gerne mal probiert. Auf der linken Mainseite fahren wir an Würzburg vorbei. Nach Margetshöchheim wird die Straße ganz schmal und sehr idyllisch. Auf der anderen Rheinseite liegt wenig später Gemünden. Auch eine schöne Ortschaft, das müssen wir uns für einen späteren Besuch merken. Oben an der Mainschleife, hinter Hofstetten, stellen wir Iwan auf einem Wanderparkplatz ab; laufen hoch zur Ruine Schönrain und eine längere Runde durch den Wald. In dieser Ecke gab es früher eine große Graureiherkolonie. Die Tiere haben die Gegend vor einigen Jahren aber verlassen. Es wird vermutet, dass dies mit den umfangreichen Baumfällungen am Salzberg in Zusammenhang steht.

Ziemlich müde kehren wir nach dem Spaziergang zu Iwan zurück. Zum Glück ist es nicht mehr weit zum anvisierten Übernachtungsziel in Lohr am Main. Der Stellplatz ist eine betonierte Wüste, direkt an der neuen Mainbrücke. Auf der anderen Mainseite, in Sendelbach, liegt ein kleiner Parkplatz am schönen Mainufer. Es ist noch genau ein Platz frei, den wir sofort belegen. In die Parkbucht passt genau ein 6m Mobil, größer dürfte Iwan nicht sein. Über die alte Mainbrücke ist es nicht weit nach Lohr hinüber. Rechter Hand, direkt nach der Brücke, liegt das historische Fischerviertel. Ein Rundgang durch die Stadt führt an die Reste der Stadtmauer mit dem Stadtturm, vorbei an typisch fränkischen Fachwerkhäusern und geschichtsträchtigen Bauwerken. Besonders sehenswert ist das alte Rathaus. Gleich daneben ergattern wir im Weinhaus Mehling Tipp den letzten Tisch. Neben dem Brunnen mit Blick auf das Rathaus schmeckt das Essen besonders gut.

30. Juli 2021: Büdingen und die Frösche

Westlich von Lohr beginnt der Spessart. Wir folgen dem engen Lahrtal bis nach Flörsbach. Am Wiesbütt Moor, direkt an der Landesgrenze von Hessen und Bayern, ist ein Wanderstopp vorgesehen. Der Weg geht am Wiesbütt See zum Moor, dann durch den Wald hinunter nach Wiesen. Dort rasten wir an einem kleinen Dorfweiher. Hinter Wiesen geht es hinauf zur Kreuzkapelle und in einem Bogen zurück zum Parkplatz. Unterwegs haben wir Gelegenheit viele Schmetterlinge zu fotografieren.

Nach diesem schönen Naturerlebnis geht es weiter nach Büdingen. Auf dem neuen Stellplatz am Freibad sind am Nachmittag noch viele Plätze leer. Wir stellen Iwan direkt neben der Picknickbank ab und vespern dort, bevor wir uns auf den Weg in das Städtchen machen. Entlang des Semmenbachs führt ein bequemer, autofreier Fußweg direkt an die imposante Stadtmauer.

Entlang der komplett erhaltenen Mauer mit den 22 mächtigen Sandsteintürmen kann man Büdingen umrunden. Ein Wahrzeichen der Stadt ist das Jerusalemer Tor mit seinen zwei Türmen. Durch dieses Tor kommt man standesgemäß in die Altstadt, die auch komplett erhalten ist. Viele Fachwerkhäuser, das beeindruckende Schloss, das Rathaus, der Oberhof… es gibt viel zu entdecken in Büdingen. Die Stadt gehört zu den am besten erhaltenen historischen Orten in Deutschland.

So ein Stadtrundgang macht hungrig. An der Stadtmauer kommen wir am Steinhaus1718 vorbei. Am Eingang steht ein Hinweis auf einen Biergarten. Eine kurze Nachfrage, ob noch Platz im Biergarten sei und ruckzuck sind wir an einem Tisch platziert. Die Speisekarte kommt und der Schreck fährt ob der Preise in die Glieder: Stolz!!! Die Teller auf den Nachbartischen sehen aber sehr, sehr gut aus. Also ist die Devise; heute mal nicht so genau rechnen und genießen! Das Essen ist außergewöhnlich gut und das Geld wert. Allderdings sucht man hier auf der Karte Pizza, Schnitzel oder Pommes vergebens. Tipp

Bei einem Rundgang durch Büdingen fallen bald die vielen Frösche auf, die an den Hausfassaden hängen. Was hat es damit auf sich? Nach dem hervorragenden Essen stehen wir vor solch einem Frosch. Heike fragt Passanten, ob sie aus Büdingen sind und wüssten, was die Frösche bedeuten. Obwohl ortskundig, keine Ahnung (es gibt ein Faltblatt mit der Geschichte: hier zum Nachlesen). Ein Wort gibt das andere und bald ist klar, dass vor mir ein ehemaliger Arbeitskollege von Siemens steht! Wir werden noch in den Biergarten Rosenhöhe Tipp auf der Stadtmauer zu einem Absacker abgeschleppt.

31. Juli 2021: Keltenwelt und Klosterwelt

Am nächsten Morgen gehen wir noch einmal in die Altstadt. Es begegnet uns erneut der Kollege von gestern. Er war auf der Touristen Information und hat sich eine Broschüre über die “Büdinger Frääsch” besorgt. Großzügig überlässt er sie uns, so können wir die schöne Geschichte in Ruhe nachlesen.

Nicht weit von Büdingen liegt an einem weiteren mystischen Ort die Keltenwelt am Glauberg. Am Fuße des Berges entdeckten Archäologen mächtige Wall-Graben-Anlagen und besondere Bestattungsplätze. In den drei keltischen Prunkgräbern lagen umfangreiche, kostbare Grabbeigaben. Es fand sich auch die lebensgroße Statue des “Keltenfürsten vom Glauberg”. Das Museum ist ein spektakuläres Gebäude und die Ausstellung besuchenswert. Trübes Wetter mit starkem Wind hält uns nicht von Kaffee und Kuchen auf der Terrasse des Museumcafes ab. Zwar ist es kalt, aber die Aussicht über den keltischen Grabhügel hinunter ins Tal ist sehr schön.

Die tägliche, obligatorische Wanderung und die Übernachtung soll am Kloster Arnsburg stattfinden. Im Innenhof des ehemaligen Zisterzienserklosters ist eine Kriegsopfergedenkstätte. Hier ruhen auch 81 Frauen und Männer, die SS-Leute kurz vor dem Eintreffen der US-Amerikaner am 26. März 1945 bei Hirzenhain ermordet hatten.

Von Kloster aus starten wir einen Rundweg entlang des Mühlbachs bis zu einem Golfplatz. Von dort in einem Bogen zurück zum Kloster. Dabei müssen wir einen Schießstand im Wald großräumig umgehen. Dort wird ziemlich wild herumgeballert. Auf den Feldern liegen schon die ersten Rollen mit Stroh – der Herbst hält so langsam Einzug.

01. August 2021: Der Frankenberger Blickwinkel

Am nächsten Tag fahren wir Richtung Lahn. An Gießen und Marburg vorbei, weiter an die Eder bis nach Frankenberg. Dort stellen wir uns auf den kleinen, kostenlosen Wohnmobilstellplatz und laufen hinauf in die Altstadt. Frankenberg ist bekannt für das Rathaus mit Markthalle. 10 Spitztürme und zahlreiche Erker verzieren das Dach. An der Touristeninformation finden wir ein Faltblatt über den Frankenberger Blickwinkel, der erste zertifitierte Stadtwanderweg Deutschlands. Der Weg führt zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, über den Burgberg und das Kloster hinunter an das neu gestaltete Ederufer. Auf der anderen Seite der Eder durch den Wald hinauf zum Wildpark und wieder zurück zum Ausgangspunkt. Es ist mehr ein Wanderweg, auf dem feste Schuhe angebracht sind, als ein Stadtrundgang. Die Wege sind teils steil und rutschig, aber schön.

Route

One Reply to “Magische Orte und schöne Fachwerkstädte”

  1. Mirjam Gnilka

    Hallo Heike, hallo Wolfgang
    Vielen Dank für Euren Beitrag über diese magischen Orte und die tollen Bilder.
    Wir freuen uns sehr auf den Ausflug mit Euch nach Bad Ragaz nächste Woche.
    Unterdessen leibe Grüsse
    Mirjam und Jürgen

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