Dampfende Berge, bunte Dörfer und Giganten

Für Kunstinteressierte ist der Giardino di Daniel Spoerri bei Seggiano in der südlichen Toskana ein lohnendes Ziel. Nicht weit davon entfernt liegt Pienza, das imposant auf dem Berg thront. Auch Castiglione della Pescaia, gegenüber von Elba gelegen, ist ein Städtchen, in dem man es länger aushalten kann. Weiter im Norden, in den Bergen, ist der Parco delle Fumarole, ein großes Gebiet mit beeindruckenden vulkanischen Aktivitäten. Das Bergdorf Riparbella ist ein unbekanntes, verstecktes Kleinod. Beeindruckend sind die StreetArt Kunstwerke an den Häuserwänden und auf den Gassen. Als letztes Ziel auf dieser Etappe besuchen wir die Giganten in Peccioli.

12. Mai 2026: Fondazione “Il Giardino di Daniel Spoerri”

Anfang der 90er Jahre begann der Schweizer Künstler Daniel Spoerri in der südlichen Toskana, ca. 60 km südlich von Siena, einen Skulpturenpark anzulegen. 1997 wurde die Stiftung »Hic terminus haeret – Il Giardino di Daniel Spoerri« mit Sitz in Seggiano gegründet. Seitdem kann der weitläufige Park von Ostern bis Ende Oktober besucht werden. Derzeit sind 113 Installationen von 55 Künstlern auf dem etwa 16 ha großen Gelände zu erwandern.

Um alle Ecken zu erkunden haben wir fast 4 Stunden in dem weitläufigen Kunstpark zugebracht . Die Kunstwerke sind in blühenden Wiesen, in kleinen Wäldern und Olivenhainen aufgestellt. Von der höchsten Stelle im Park sieht man auf eine typische Toskana Landschaft und das nahe liegende Dorf Seggiano.

Vom “Il Giardino di Daniel Spoerri” ging es am späten Nachmittag weiter. Über viele Kurven und Steigungen dauerte die Fahrt für die 30km fast eine Stunde – unterbrochen von einigen Fotostopps: die Zypressenalleen, sanften Hügel oder Aussichten auf wehrhafte Bergdörfer müssen fotografisch festgehalten werden.

Schon von weitem sehen wir das beeindruckende Panorama von Pienza auf dem Berg thronen. Auf einem Parkplatz am Stadtrand gibt es Stellplätze. Dort parken wir und gehen für einen kurzen Spaziergang in die Stadt. Bisher eines der schönsten Bergdörfer, die wir besichtigt haben. Von der Camminata Panoramica auf der Stadtmauer hat man einen schönen Blick über die sanften Hügel der Toskana. Auf der Corso il Rossellino, der zentralen Einkaufsstraße, gibt es  viele Läden mit Käselaibern. Pienza ist besonders bekannt für seinen Pecorino in allen Varianten. Leider ist das Abendessen schon verplant, die restlichen Lebensmittel müssen dringend verarbeitet werden. Schade, wir können uns deshalb nicht zu den Leuten in einem der vielen Restaurants gesellen.

13. Mai 2026: Von Pienza ans Meer

Eine neue Regenfront ist wieder im Anmarsch. Der weitere Reiseweg soll in die Gegend mit den meisten Sonnenstunden gehen. Wohin sollen wir fahren? Wo zeigt sich die Sonne öfter? Wir entscheiden uns für die Weiterfahrt nach Westen ans Meer.

Aber zuerst gehen wir noch einmal nach Pienza hinein. Schauen uns etwas um, fotografieren in den schönen Gässchen und kaufen von dem berühmten Pecorino. Auf dem Rückweg zu Iwan sehen wir auf einem Parkplatz einige sehr alte Fiat 500 aufgereiht stehen. Sie werden gerade fit gemacht für eine Gruppenausfahrt.

Den ganzen Vormittag war es sonnig. Aber schon kurz nach der Abfahrt kommt ein Sturm auf und bald darauf wolkenbruchähnlicher Regen. Nicht schön zu fahren. Sobald wir an der Küste sind, wird das Wetter zum Glück besser und die Sonne scheint. Auf dem “Camping Internazionale Etruria” Tipp bei Castiglione della Pescaia richten wir uns ein: holen Tisch und Stühle aus dem Auto und setzen uns in die Sonne. Nach einer angemessenen Ruhepause gehen wir die 2km nach Castiglione della Pescaia, das sich als ein besonders schönes Städtchen herausstellt. Sehr touristisch, herausgepuzt mit vielen Bars und Restaurants. Im Ristorante Pizzeria La Scaletta Tipp gibt es ein sehr gutes Abendessen. Leider ist es heute zu kalt, um auf der tollen Aussichtsterrasse Platz zu nehmen.

 

 

14. Mai 2026:  Naturschutzgebiet Diaccia Botrona

In der Nähe unseres Campingplatzes liegt das Riserva Naturale Diaccia Botrona. Ein Feuchtgebiet, in dem sich viele Vogelarten aufhalten sollen. Um das Reservat führt ein Wanderweg von 14km. Das ist uns für heute zu lang, zumal wir ja auch Zeit brauchen, um Vögel, Pflanzen, Insekten zu fotografieren. So besuchen wir nur die Aussichtspunkte, die leicht vom Campingplatz zu erreichen sind.

Das Schutzgebiet erstreckt sich über eine Fläche von etwa 1.273 Hektar und zeichnet sich durch eine reiche Biodiversität aus, die zahlreiche Vogelarten, Fische, Reptilien und Pflanzen beherbergt. Am offiziellen Eingang zum Schutzgebiet befindet sich das Casa Rossa Ximenes. Ein historisches Gebäude, das 1765 nach den Plänen von Leonardo Ximenes, einem jesuitischen Hydraulikingenieur, errichtet wurde. Es war Teil eines komplexen Kanalsystems, das zur Trockenlegung der Sümpfe der Maremma entworfen wurde.

Auf unserem schönen Spaziergang durch das Naturschutzgebiet sind nicht sehr viele Vögel zu sehen. Erst ganz zum Schluss erreichen wir eine Stelle, an der sich mehr als 50 🦩 🦩 🦩 Flamingos aufhalten. Zum Abschluss gehen wir noch nach Castiglione della Pescaia, um ein Eis 🍦 zu essen.

15. Mai 2026: Regentag in Pescaia

Kein Brot mehr da für das Frühstück. Es blieb nichts anderes übrig als ins Dorf zum Bäcker zu laufen. Bei der Gelegenheit sind wir noch zum Gemüseladen und haben getrocknete Steinpilze mitgenommen.

Zum Glück waren wir so früh unterwegs. Der restliche Tag war total verregnet. Das konnte man nur im Wohnmobil überstehen. In den letzten 10 Jahren ist uns so etwas vielleicht gerade erst einmal passiert. Der Regen hörte erst am Abend auf. Die Möglichkeit für einen kurzen Spaziergang am Strand nutzen wir auch gleich, um uns die Füße zu vertreten.

16. Mai 2026: Letzter Tag in Pescaia

Am Morgen regnet es immer noch. Das geht bis 14 Uhr, dann wird der Himmel so langsam blau. Wir verlassen das Wohnmobil und fangen an, die Campingmöbel und unsere Bodenmatte zu reinigen und zu trocknen.

Danach laufen wir in die Stadt. Auf dem Fußweg entlang der Hauptstraße ist man ständig in Gefahr, von den Autos nassgespritzt zu werden. Große Pfützen setzen die Wege und Straßen immer noch unter Wasser. Wir gehen lieber hinunter an die Strandpromenade. Nach einem Eis erklimmen wir den Berg hinauf zum Kastell. Durch das Burgtor geht es hinein und wir betreten ein Kleinod. Innerhalb der Festungsmauern befindet sich eine richtig schöne, kleine Stadt. Ganz oben im Kastell hat man einen Rundumblick auf das Naturschutzgebiet mit den Flamingos, den Pinienwald, in dem sich unser Campingplatz befindet, und über das Meer. Sardinien, Korsika und Elba sind ganz deutlich zu sehen.

Nach einem längeren Rundweg kehren wir im Restaurent Casty zum Abendessen ein. Die Aufmachung des Restaurants, sehr nobel mit viel Personal, passt zwar zu den Preisen, aber nur bedingt mit Pizza und Burger zusammen. Nach der Speisekarten hatten wir eher eine normale Pizzeria erwartet. Aber das Essen hat trotzdem geschmeckt. Im Gemüseladen gegenüber kaufen wir noch frische Bohnen und getrocknete Pilze. Gegenüber gab es noch den “Liegestuhlwein” vom Weingut Valle delle Rose, das wir vor ein paar Jahren besucht haben.

17. Mai 2026: Fumarolen und brodelnde Pfützen

Zwischen Sasso Pisano und Monterotondo Marittimo ist eine vulkanisch sehr aktiven Gegend. Auf den ganzen Bergrücken gibt es große Hänge, auf denen schweflige Dämpfe austreten. Das wollen wir uns heute ansehen.

Bei der Abfahrt in Castiglione della Pescaia scheint die Sonne vom blauen Himmel. Endlich mal wieder! Kaum in Sasso Pisano auf dem Stellplatz angekommen, ziehen aber schon wieder dunkle Wolken auf. Zur Sicherheit packen wir noch unsere Regenjacken ein. Dann machen wir uns auf den Weg zum Parco delle Fumarole. Gleich am Eingang zum Geologischen Park ist der erste dampfende Hang. Es geht steil bergauf und immer wieder dampft die Erde, was nicht besonders gut riecht. Wir kommen auch an kleinen blubbernden Tümpeln vorbei oder an Löchern, aus denen der Dampf zischend entweicht.

Unterwegs sind wir froh über die Regenjacken. Die immer wiederkehrenden Schauer werden so heftig, dass ich die Kamera im Rucksack verstaue. Nach einem 4km langen Rundweg sind wir in Sasso Pisano zurück. Wir haben wegen des Wetters die kurze Wegvariante gewählt. Wer länger unterwegs sein möchte, kann noch über den Bergrücken bis nach Monterotondo Marittimo weiter gehen.

Noch ist nach dem Spaziergang Zeit genug um hinauf zur Burg zu laufen. Es bedrückt jedes Mal, ein eigentlich schönes Dorf zu sehen, im dem viele Gebäude verfallen und noch mehr nicht mehr bewohnt sind. Im Dorf gibt es einige Thermalquellen zu besichtigen. Etwas Besonderes ist das Waschhaus. Als wir vorsichtig hineinschauen, sind drei Einheimische im kleinen Becken am Herumplanschen. Da möchten wir nicht stören.

18. Mai 2026: Sehr schönes Dorf mit Straßenkunst

Bevor wir Abschied von Sasso Pisano nehmen, gehen wir schnell noch einmal zum Waschhaus. Gestern war es mit Badegästen belegt und fotografieren deshalb unmöglich. Heute ist niemand da und wir können uns in Ruhe umschauen: entdecken sogar das Äquadukt, das heißes Wasser heranführt.

Zum nächsten Ziel liegt etwa 1 Stunde vor uns. Wie immer eine kurvige Strecke. In Riparbella angekommen, finden wir direkt an der Durchgangsstraße eine freie Parklücke. Zum Glück. Für große Autos ist die Parksituation schwierig. Verbotsschilder oder zu enge Gassen versperren die Zufahrt zu den meisten Parkplätzen.

Riparbella erscheint in keinem Reiseführer. Nur durch Zufall haben wir gelesen, dass es vor 3 Jahren ein Projekt von Streetart – Künstlern und den Schulkindern im Dorf gab. Seitdem sind viele Bilder entstanden und viele Ideen der Kinder in den Gemälden verarbeitet. Überhaupt hat uns das Dorf überrascht. Die Bewohner haben ihre Häuser und Plätze mit viel Liebe und Kreativität gestaltet. Eine Straße ist mit Karten bemalt, die zeigen, was die Kinder an Riparbella besonders mögen. Es gehört mit zu den schönsten Bergdörfern, die wir bisher auf der Reise gesehen haben. Auf unserem Rundgang spricht uns noch ein Mann an, der vor seinem Haus auf einer Bank sitzt. Er möchte gerne einen Grappa ausgeben. In Anbetracht der Tageszeit müssen wir das freundliche Angebot leider ablehnen.

Das endgültige Ziel von heute ist wieder 1 Stunde von Riparbella entfernt. Wir kommen hierher, nach Peccioli, wegen etwas ganz Speziellem. Iwan dürfen wir am Ortsrand auf einem gewöhnlichen, asphaltierten Parkplatz abstellen. Nur wenige Minuten Fußmarsch davon entfernt sehen wir den ersten Giganten, der sich aus der Erde herausstemmt. Von den 9 Meter hohen Figuren gibt es 4 Stück. Wir gehen noch in die Stadt und schauen uns etwas um. Doch davon morgen noch mehr.

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19. Mai 2026: Giganten und das bunte Dorf

Es ist schon normal, dass der Tag mit Regen beginnt – obwohl die Wettervorhersage einen durchweg sonnigen Tag versprochen hat. Gegen Mittag fahren wir trotz Regen los. Ziel ist der Triangolo verde Belvedere. Eine ehemalige Müllkippe, die jetzt für Kunstinstallationen und Veranstaltungen genutzt wird. Noch im Regen kommen wir an und stehen im Matsch der unbefestigten Zugangsstraße vor verschlossenen Toren. Schon andere Besucher stehen ratlos im Regen vor dem Tor. Dort hängt aber eine Anleitung, die das Zugangsprozedere mit Anmeldung für die Toröffnung beschreibt. Nur das Tor hat ein Problem, denn es öffnet sich nicht für die ausfahrenden Autos.

Das Problem ist aber bald behoben und wir dürfen aufs Gelände fahren. Dort sind noch zwei weitere Giganten zu sehen. Daneben noch andere interessante Objekte. Der Dauerregen ging auch in gelegentliche Schauer, teilweise auch in Sonnenschein, über. Ein paar Stunden haben wir mit den Giganten verbracht, dann sind wir weiter gefahren.

Das kleine Dorf Ghizzano ist für seine Via di Mezzo bekannt. Der britische Künstler David Tremlett hat die Häuser in der Straße in verschiedenen grün und rot Tönen bemalt. Außerdem sind in dem Dorf noch einige andere Kunstinstallationen zu sehen:

Elevatio corpus“ von Patrick Tuttofuoco: Eine Reihe von drei Installationen aus Neon, Marmor und Eisen, die über das Dorf verteilt sind und von Heiligenporträts inspiriert wurden. Sie sind nachts beleuchtet. Oder “Solid Sky“ von Alicja Kwade. Eine blaue Kugel aus Stein. Sehr effektvoll vor einer Kirche platziert.

Auf der Rückfahrt von Ghizzano nach Peccioli steht erst einmal der Einkauf bei COOP an. Auf dem Weg dorthin schauen wir noch beim vierten Giganten vorbei, der ganz in der Nähe auf einem Dach sitzt. Wieder am günstig gelegenen Parkplatz angekommen, stellte sich der Hunger ein. Also in die Stadt und auf dem Weg zum Ristorante Pasticceria Ferretti Tipp noch ein paar Attraktionen anschauen. Wir bekommen zum Glück noch einen Tisch, der erst in einer Stunde reserviert ist. Nach einem sehr guten und ausgiebigen Essen müssen wir um 20 Uhr den Platz räumen, denn die Gäste sind eingetroffen. Die noch gefüllten Gläser leeren wir draußen vor dem Restaurant. Als wir aufbrechen, geht die Sonne gerade unter und in der Dämmerung streifen wir noch etwas durch die Gassen.

Die Route

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