Heimreise über Montecatini Terme, Modena und Mantua

Von den Giganten in Peccioli kommen wir im letzten Abschnitt unserer Tour durch den Norden Italiens nach Montecatini Terme, seit hunderten Jahre ein bedeutender Kurort. Über Modena, dem Zentrum des Aceto balsamico kommen wir ins mittelalterliche Mantua. In Lunetta-Frassino, einem Vorort Mantuas, entdecken wir ein Viertel mit vielen großartigen Murals. Der ersten großen Hitzewelle des Jahres entfliehen wir in die Berge nach Vallene am Laghi Di Lamar. Nach einem kurzen Aufenthalt in Glurns, der kleinsten Stadt Südtirols, geht es über den Flüelapass nach Hause.

20. + 21. Mai 2026: Montecatini Terme

Heute wollen wir die bedeutendste Kurstadt in Italien besuchen. Seit 2021 gehört Montecatini Terme zum UNESCO-Welterbe der „Great Spa Towns of Europe“. Diese Anerkennung würdigt nicht nur die historische Bedeutung der Thermalquellen, sondern auch die städtebauliche Qualität und kulturelle Rolle des Kurwesens in Europa. Es gibt in Montecatini 7 bedeutende Thermen, in denen gekurt werden kann, und an die 200 Kurhotels. So steht es zumindest in diversen Artikeln im Netz.

Wir quartieren uns etwas außerhalb in dem schönen Campingplatz Belsito in Vico Tipp ein. Vom Campingplatz laufen wir 1,5 km die Straße entlang nach Montecatini Alto, den mittelalterlichen Teil der Stadt oben auf dem Berg. Von dort geht die Standseilbahn von 1898 hinunter in die Kurmetropole.

Auf dem Weg von der Talstation in den Kurpark kommen wir an pompösen Kurhotels vorbei, stehen bald vor der beeindruckenden Terme Tamerici. Die ist leider geschlossen und macht erst um 16:00 für Besucher auf.

Um die Zeit zu überbrücken, gehen wir durch den schönen Kurpark in die Stadt. Die Ernüchterung ist schnell da. Die zweite Therme, die Terme Tettuccio, ist baufällig und nicht zugänglich. Ein Stück weiter die Terme Leopoldine, eine Bauruine. Die alte Terme aus dem 17. Jahrhundert wurde von Investoren verschandelt und der Rohbau zerfällt seit Jahren. Am Ende des Kurparks die Terme Excelsior: vom einstigen alten Bau ist nur der Eingangsbereich übriggeblieben – der Rest entfernt und durch einen Betonbau ersetzt. Beides in erbärmlichen Zustand. Schwer vorstellbar, dass darin noch gekurt wird. Bei unserem weiteren Spaziergang durch die Stadt das gleiche Bild. Viel Zerfall oder alte Gebäude mit Beton nicht gerade verschönert. Ganz selten können die alten, prachtvollen Kurbauten in gut gepflegtem Zustand bewundert werden.

Dann besuchen wir noch die Terme Tamerici. Für 7 € darf man hinein. Auf den ersten Blick alles beeindruckend. Die riesige Säulenhalle, die Glasdecken. Sehr schön gemacht. Je weiter man in die Anlage vordringt, desto trauriger. Die mit Flatterband abgesperrten Bereiche werden häufiger. Von den schönen Decken bröselt der Putz. Wie lange hier wohl noch Besichtigungen möglich und erlaubt sind? In der Therme ist ein Café mit einem beeindruckenden Speisesaal. In einem pittoresken Innenhof kann man seinen Kaffee im Freien genießen.

Warum Montecatini Terme zu den UNESCO-Welterbe zählt, ist ein Rätsel. Wir sind jedenfalls sehr ernüchtert und müssen nicht noch einmal den Weg in diese Stadt auf uns nehmen.

Montecatini Alto, oben auf dem Berg, ist der totale Kontrast. Ein schönes Bergdorf, in das viele Besucher gerne mit der Bahn heraufkommen, auf dem Dorfplatz eines der hübschen Restaurants besuchen oder von einem Aussichtspunkt die Kurmetropole von weit oben betrachten.

Wir sind recht spät zurück auf dem Camingplatz und haben keine Lust mehr zu kochen. Zum Glück gibt es ein Restaurant auf dem Platz. Leider ist das Essen nur mittelmäßig. Die Milanese entpuppte sich als einfaches Schnitzel. Aber satt sind wir zum Glück trotzdem geworden.

Am nächsten Tag ist nichts Aufregendes passiert. Ein ganz normaler Campingplatztag. Die Sonne schien. Frühstück mit kurzer Hose draußen. Das erste Mal auf dieser Reise. Den ganzen Tag im Campingstuhl rumgelungert. Die Zeit auch noch für eine Maschine Wäsche genutzt.

Jetzt heißt es Abschied nehmen. Morgen geht es weiter. Obwohl der Campingplatz super ist. Aber noch einen Tag Sightseeing in Montecatini? Darauf haben wir keine Lust. Lieber in kleinen Etappen Richtung Heimat fahren. In ein paar Tagen ist dieser Wohnmobiltrip schon wieder zu Ende.

22. Mai 2026: Modena

Heute ist wieder ein sonniger Tag, der Temperaturen von bis zu 30 Grad verspricht. Frühstück ist bei dem Wetter natürlich wieder draußen vor Iwan. Wir wollen ein Stück weiter in den Norden, bis Modena. Nach zwei Stunden Autobahn, mit Staus und immer auf der Hut vor wagemutigen LKW-Fahrern, sind wir auf einem Stellplatz in Vaciglio, einem Vorort angekommen. Sofort wird der Sonnenschutz an allen Fenstern montiert. Denn auf dem Platz gibt es kaum Schatten.

Etwas über 1km entfernt hält der Bus, der uns ohne Klimaanlage und Stoßdämpfer in die Stadt bringt. Der historische Stadtkern Modenas gehört seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Modena ist die Heimat des Aceto balsamico, der in seiner traditionellen Form aus der in der Region angebauten Lambrusco-Traube gewonnen wird. Das Angebot eines Geschäfts für eine Balsamico-Probe haben wir genutzt. Danach auch zwei Fläschen der guten und teuren Flüssigkeit erstanden. Ein Balsamico mit 12 Jahren und einen mit 25 Jahren. Viele Besucher zieht es auch in das Enzo Ferrari Museum Tipp. Die meisten wegen der Autos, manche (so wie uns) aber auch wegen der Architektur. Unser Stadtrundgang führte uns auch zur Markthalle. Leider zu spät, sie hat Freitag Nachmittag geschlossen.

Modena ist auch Universitätsstadt mit fast 30.000 Studenten. Gegründet 1175 ist es die älteste Universität Italiens und ein bedeutender Forschungsstandort. Bemerkbar ist das überall in der Stadt. Viele junge Leute sind unterwegs in den Straßen oder sitzen in Bars und Cafés.

Von der Hitze ermattet setzen wir uns in eine Bar, trinken etwas und vertreiben uns die Zeit, bis der Bus zurück fährt. Der Altersdurchschnitt in der Bar wird durch unsere Anwesenheit merklich in die Höhe getrieben.

23. Mai 2026: Mantua

Wir sind heute südlich vom Gardasee, in Mantua, angekommen. Die Stadt ist von drei Seen umgeben und liegt wie eine Halbinsel von drei Seiten vom Wasser umgeben. Die Seen wurden im 12. Jahrhundert zur Verteidigung angelegt. Gegen 13:00 Uhr öffnet sich für uns die Eingangsschranke zum Stellplatz in unmittelbarer Entfernung zur Altstadt. Der ist schon gut belegt. Wir finden noch eine breite Lücke, sogar mit etwas Schatten.

Um in die Altstadt zu kommen, müssen wir einen Damm zwischen zwei der Seen überqueren. Es ist eigentlich nicht weit, aber wir sind froh im Schatten des Castello di San Giorgios eine kurze Pause einlegen zu können. Es ist ziemlich heiß heute. Weitestgehend im Schatten bewegen wir uns durch die Stadt. Schade, dass die Temperaturen unseren Elan bremsen, durch sämliche Gassen zu streifen und die bezaubernde Stadt ausgiebig zu erkunden. So haben wir ganz sicher viele interessante Ecken nicht gesehen.

Den Besuch in Mantua schließen wir in der Bar Venezia mit einem Lambrusco-Aperol ab. Einmal muss doch das Kultgetränk unserer Jugend bei einem Aufenthalt in der Lambrusco Gegend probiert werden.

24. Mai 2026: StreetArt in Lunetta-Frassino

Heike entdeckte gestern, dass es gegenüber vom Stellplatz, im Vorort Lunetta-Frassino, viele tolle Murals gibt. Seit 10 Jahren findet dort das Urban-Art-Festivals „Without Frontiers – Lunetta a Colori“ statt, welches das Ziel verfolgt, graue Vorstadtviertel durch farbenfrohe Kunstwerke aufzuwerten und neu zu beleben.

Heute früh fahren wir mit Iwan hin. Parken in der Via Lombardia. Entlang dieser Straße und in den Seitenstraßen stehen heruntergekommene Wohnblocks, die als Leinwände für das Festival dienen. Zum Glück ist alles nah beieinander. Weit in der Sonne laufen muss man nicht, um alles zu sehen.

Die Werke sind wirklich sehr gut. Eines wurde sogar unter die 100 weltweit besten Murals gewählt. Es lohnt sich also in Lunetta-Frassino nach den Wandbildern zu sehen.

Wir entfliehen der Wärme auf einen Campingplatz bei Trient. Dort ist es ein paar Grad kühler und es weht ein frischer Wind. Der Camping Laghi di Lamar Tipp in Vallene bietet große, schattige Stellplätze mit Bergpanorama, ein Schwimmbad und Hüttchen zum Übernachten. Dort kann man es gut bei heißen Temperaturen aushalten.

25. Mai 2026: Laghi Di Lamar

Seit ein paar Tagen hat uns die erste, sehr frühe Hitzewelle in diesem Jahr voll erwischt. Beim Frühstück vor dem Wohnmobil bei angenehmen Temperaturen wird uns mulmig, bei dem Gedanken, jetzt nach Meran zu fahren. Direkt in die Hitzehölle mit 34 Grad. Ein Campingplatz dort ist seit über einer Woche reserviert. Allerdings einer mit kaum Schatten.

Die Entscheidung, noch einen Tag länger in Vallene zu bleiben und in Meran zu stornieren, fällt nicht schwer. Also der Aufenthalt in Meran ist für dieses Jahr endgültig abgeblasen. Stattdessen fahren wir übermorgen in die kleinste Stadt Südtirols, nach Glurns. Das wäre dann unser dritter Aufenthalt dort. Es soll in Glurns kühler sein und der Platz ist auch schattig.

Nach diesen schwerwiegenden Entscheidungen begeben wir uns auf eine Wanderung in das Valle dei Laghi. Über schöne Wege im schattigen Wald erreichen wir die zwei Seen am Talende. Über einen weiten Bogen, hinauf auf die Felsen am Seeufer, erreichen wir wieder den Zeltplatz.

Unsere Wanderung ging durch eine Bärengegend. An den Seen hing eine große Tafel mit Hinweisen zum Verhalten für eine Begegnung mit Bären. Und was man bei einem Angriff machen sollte. Vielleicht kommt daher auch unser Bärenhunger nach der Ankunft am Campingplatz?!

Abends wird der Grill aufgebaut. Zum Steak gibt es noch gebratenen Spargel und Karotten, karamelisiert mit Balsamico und Zucker. Dazu unser Spezial-Chutney mit Rosinen. Hat alles ganz gut geschmeckt.

26. Mai 2026: Glurns

Wir verlassen den Campingplatz in Vallene. Der geplante Aufenthalt in Lana und Meran ist wegen der Hitze gestrichen. Wir fahren statt dessen nach Glurns, in der Hoffnung auf angenehmere Temperaturen.

Unterwegs halten wir in Eppan, bei Bozen, um im Coop einzukaufen und ein paar Fotos von diesem speziellen Supermarkt zu machen. Er befindet sich in einer alten Villa. In den Verkaufsräumen sind die ursprünlichen Decken mit Stuck und Malereien noch zu sehen.

In Glurns haben wir keinen Platz im Schatten bekommen. Die großen Bäume auf dem Platz, wie wir sie gekannt haben, mussten gefällt werden. Schatten ist jetzt Mangelware. Auch ist es jetzt hier an die 30 Grad. Wir bauen unsere Stühle daher auf der günstig gelegeneren Zeltwiese auf und warten die große Hitze ab.

Am späten Nachmittag kommt Wind auf und graue Wolken tauchen auf. Jetzt gehen wir ins Städtchen. Glurns ist die kleinste Stadt Südtirols mit gerade mal 900 Einwohnern. Eine Stadtmauer mit 3 Toren umschließt die Innenstadt. In den letzten Jahren hat sich Glurns touristisch herausgeputzt. Es gibt mehrere Restaurants, eine Metzgerei, einen Bäcker, einen kleinen Supermarkt und 2 Hotels. Also alles, was man so braucht. Im Gasthof zum grünen Baum wird der Rundgang mit einem Aperó unterbrochen. Das Abendessen wartet etwas später dann im Wirtshaus Steinbock Tipp auf uns.

Als wir nach Hause gehen, hat es merklich abgekühlt. Wir wandern außen um die Stadtmauer herum an den Feldern entlang. Zum Glück haben wir Regenschirme dabei: überall laufen die Wassersprenger und beregnen nicht nur die Felder, sonder auch ausgiebig die Wege. Nur dank der Schirme kommen wir trocken bei Iwan an.

27. Mai 2026: Abkühlung am Flüelapass

Nach 38 Tagen durch den Norden Italiens ist heute der letzte Tag angebrochen. Auch wenn es schwer fällt, fahren wir früher als am Reisebeginn gedacht, zurück. Am Wochenende ist der Brenner gesperrt, dann ist in Italien noch Generalstreik und am Reschenpass ist eine Baustelle. Das Verkehrschaos am kommenden Wochenende zwischen den Pfingsturlaubern wollen wir uns ersparen. Und dann auch noch die plötzliche Hitzewelle – sie lässt sich zu Hause besser überstehen als im Wohnmobil.

Zurück fahren wir über den Ofen- und Flüelapass. Der Flüela ist 2385 Meter hoch. Dort oben liegt noch Schee und die 11 Grad sind angenehm erfrischend. Am Pass angekommen merken wir, dass die Wohnraumbatterie im Wohnmobil bei der Fahrt nicht mehr geladen wird. Da ist wohl mit dem Ladebooster etwas nicht in Ordnung. Vielleicht auch ein stiller Protest von Iwan, der auch noch nicht so richtig nach Hause möchte. Er hat sich in den 5 Wochen wacker geschlagen, jede Steigung und Serpentine klaglos gemeistert 💪! Und es waren derer ganz schön viele.

Fünf Stunden fahren wir, unterbrochen von mehreren Imbiss- und Fotopausen, unbehelligt bis nach Kreuzlingen zum Zoll. Fast waren wir schon in Deutschland in Sicherheit, da springt ein Schweizer Zollbeamter vors Auto. Er dirigiert uns zur Waage. Wohnmobile sind beliebte Opfer für solche Aktionen und meist auch ein Volltreffer. Wir haben mehr Glück als Verstand: Iwan bringt mit Besatzung genau 3.5 t auf die Waage.

Die Route

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