Weinfest, über den Wipfeln und die Stadt der Kirchen

Über die Wasserkuppe fahren wir von Hessen nach Thüringen. Schmalkalden war wegen der Murials in der Stadt ein fest eingeplantes Ziel und die schöne Altstadt Schmalkaldens eine überraschende Entdeckung! Nach einem unterhaltsamen Abend auf dem Weinfest ging es am nächsten Tag weiter zum Baumwipfelpfad im Nationalpark Hainich. Unsere Fahrt durch Thüringen endete in Mühlhausen, der Stadt der Tore und Kirchen.

31. Mai 2019: Über die Wasserkuppe nach Schmalkalden

Poppenhausen liegt am Fuße der Wasserkuppe. Also die beste Gelegenheit, den höchsten Berg der Rhön kennenzulernen. Für Tourismus und Freizeitvergnügen bietet die Wasserkuppe eine ganze Menge: Sommerrodelbahnen, Segelflug, Gleitschirmflüge, Skilifte, Snowboard oder Wandern. Riesige Parkplätze lassen erahnen was an manchen Tage hier oben los ist. Zwischen Bussen , Motorrädern, Cabriokolonnen und Wanderen bahnen wir uns unseren Weg. Aber an diesem Freitag, Ende Mai, ist noch ganz viel frei auf den Parkplätzen.

Durch Naturschutzgebiete und ausgedehnte Wälder fahren wir geruhsam auf idylischen Straßen durch die Rhön, vorbei an Schmalspitzen, Ellenbogen und Schafkuppel. Endlich in Schmalkalden angekommen, findet Iwan den verdienten Ruheplatz auf dem offiziellen Wohnmobilstellplatz. Der liegt hinter dem Bahnhof in dem ehemaligen Gelände der Gartenschau. Die Stellplätze sind begrenzt von üppig blühenden Beeten, über die sich unzählige Schmetterlinge und Bienen freuen.

Im Rahmen des “Wallcom Urban Festivals” entstanden 2014 einige Streetart Objekte, von denen die meisten noch heute zu sehen sind. Nach der Ankunft begann sofort unser Graffity Streifzug durch die Altstadt bis hinaus in die Aussenbezirke. Zu entdecken gab es einiges, besonders bekannt ist “Once upon a time” von Herakut. Die ganze Zeit war es heiß und schwül. Nach mehreren Stunden und 15.000 Schritten später schleppten wir uns müde zurück auf den Marktplatz, um bei Mineralwasser und einer Thüringer Bratwurst auszuruhen. Überall standen Plakate über die Eröffnung des Weinfestes am heutigen Tag. Damit war auch klar, wo wir den Abend verbringen. Die Zeit bis dahin überbrückte ein Rundgang durch die schöne Altstadt:

Der mittelalterliche denkmalgeschützte Altstadtkern besitzt ca. 90 % Fachwerkbauten aus dem 16.-18. Jahrhundert. Hierzu gehören die spätgotische Hallenkirche St. Georg und eine fast vollständig erhaltene Schlossanlage der deutschen Renaissance, Schloss Wilhemsburg (1585-90 erbaut).

Die Schmalkalder Artikel machten die Stadt schon im Mittelalter über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Reiche Erzvorkommen, Bergbau und eisenverarbeitendes Handwerk waren Grundlage für eine blühende Wirtschaft. Der einstige Reichtum ist im Stadtbild heute noch erkennbar.

Kurz nach 18:00 waren wir zurück am Marktplatz. Die Weinstände von der Mosel, Franken, Thüringen und aus Ingenheim in der Pfalz hatten schon geöffnet. In Billigheim-Ingenheim auf dem Campingplatz waren wir ja schon öfter, nichts liegt näher als diesen Stand anzusteuern. Das “Weingut Pfalzgraf” ist der Nachbar unseres Lieblingswinzers, man kennt sich also und Gesprächsstoff ist genügend vorhanden. Mit zwei Gläsern Riesling setzen wir uns an einen noch freien Tisch. Kurze Zeit später gesellt sich ein Paar aus Schmalkalden zu uns. Es wird ein sehr unterhaltsamer Abend, wir bleiben länger als ursprünglich gedacht und trinken auch ein “paar Viertele” mehr als vorgesehen. Der Wein vom Pfalzgraf ist sehr gut und zwei Flaschen Riesling gehen zu später Stunde mit uns zurück zum Iwan.

01. Juni 2019: Baumwipfelpfad und Mühlhausen/Thüringen

Die Nacht war ruhig – ausgeschlafen nehmen wir das nächste Ziel in Angriff. Auf dem Weinfest bekamen wir den Tipp, den Baumwipfelpfad im Nationalpark Hainich zu besuchen.

Auf den ersten Blick mag die Natur im Nationalpark Hainich recht unspektakulär erscheinen: Hier gibt es weder Kreideklippen noch Canyons noch Korallenriffe. Und doch ist sie weltweit einzigartig und gehört zur exklusiven Familie der UNESCO-Welterbestätten: Nur hier wachsen die letzten verbliebenen Reste großer, unzerschnittener Buchenwälder mitteleuropäischer Ausprägung auf Muschelkalkboden in mittlerer Höhenlage. Sie bieten vielen seltenen Arten diesen ganz speziellen Lebensraum.

Im Schutz eines militärischen Sperrgebiets konnten sich hier jahrzehntelang Wälder mit der Buche als prägende Baumart entwickeln, wie sie von Natur aus in Mitteleuropa ohne Einfluss des Menschen großflächig auftreten würden. Mit rund 50 km2 weist der Nationalpark die größte nutzungsfreie Laubwaldfläche Deutschlands auf. Hier wird die Natur sich selbst überlassen. (Zitat: nationalpark-hainich.de)

Der Baumwipfelpfad schlängelt sich über ca. 600 m von einer Höhe von 10 Metern bis über die Baumkronen. Der Aussichtsturm hat eine Höhe von 44 Metern, von seiner Aussichtsplattform blickt man hinunter auf den gesamten Laubwald. Die Laufstege des Baumwipfelpfades verbinden mehrere große Plattformen, auf denen sich Informationtafeln zu Wald und Tieren befinden.

Vom Nationalpark fahren wir noch ein Stück weiter in den Norden Thüringens. In Mühlhausen/Thüringen parkt Iwan auf einem Parkplatz zwischen der Stadtmauer und der Unstrut, die durch Mühlhausen fließt.

Die Stadt der Tore und der Kirchen ist Mühlhausen. Es waren die 59 Türme der Kirchen und der Stadtmauer, die dem Ort den Namen “Mulhusia turrita” – das turmgeschmückte Mühlhausen gaben. Im Mittelalter galt Mühlhausen nach Erfurt als bedeutendste Stadt Thüringens. Die architektonische Vielfalt, ja die gesamte Stadtanlage mit der erhaltenen und begehbaren Stadtmauer zeugen von der wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung der einstigen Reichsstadt. (Zitat: muehlhausen.de)

Mühlhausen ist eine geschichtlich bedeutende Stadt. Ein Eindruck davon vermittelt die imposante Stadtmauer und die Türme der 11 mittelalterlichen Kirchen. Besonders die Größe der Marienkirche und der Pfarrkirche Divi Blasii beeindrucken. Johann-Sebastian Bach war in der Pfarrkirche als Organist tätig und in der Marienkirche predigte der Reformator Thomas Müntzer. Für geschichtlich Interessierte ist die Stadt ein lohnenswertes Ziel.

Leider ist die zentrale Fußgängerzone ziemlich öde, obwohl es in ihr viele schöne Fachwerkhäuser gibt. Belebt in der Stadt sind hauptsächlich der Kornmarkt mit dem schönen “Brauhaus zum Löwen” und der Johann-Sebastian-Bach-Platz mit dem Raurant “Zum Küsterhaus”. Wir gehen in den Löwen, dort kann man gemütlich im Schatten unter Bäumen sitzen. Leider ist es bald mit der Ruhe zu Ende, da eine große Reisegruppe aus der Wärme im Lokal flieht, sich lautstark im Außenbereich niederlässt und stückweise alle noch freien Stühle und Tische beansprucht. Um dem Tumult zu entfliehen, gehen wir so bald als möglich zurück zum Iwan und setzten uns mit einem Glas Wein an das Bachufer.

Die Route

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