StreetArt in München

München ist für vieles bekannt, aber sicher nicht als Mekka der Subkultur. Aber in München ist die Wiege der deutschen Graffity Szene. Als die Graffity Welle in den 1980’er Jahren nach Deutschland kam, legten die Münchner Künstler noch vor den Berlinern los. Ein Schüler besprühte 1985 zusamen mit 6 weiteren Kumpels eine Münchner S-Bahn und fabrizierte so den ersten “Wholetrain” Europas. Heute ist er unter dem Künstlernamen “Loomit” immer noch aktiv. München ist immer noch die Hochburg der StreetArt Szene und kann locker mit Berlin mithalten.

MUCA

Ein guter Start in die Münchner StreetArt Szene ist das “Museum of Urban and Contemporary Art“, abgekürzt MUCA. Auf 2000 qm zeigt das Museum wechselnde Ausstellungen. Bei unserem Besuch waren Bilder des Dänischen Fotografen SØREN SOLKÆR zu sehen, der weltweit StreetArt Künstler vor ihren Werken porträtiert hat. Sehenswert ist auch der Gang zur Toilette und die Gestaltung des Restaurants. Der Eintritt in das MUCA kostet 7,50€.

Kunstlabor

50 Künstler haben 5000 Quadratmeter Innen- und Außenfläche im ehemaligen Verwaltungsgebäude von Tengelmann gestaltet. Eines der größten Kunstprojekte in Deutschland. Einzige Bedingung des Besitzers war ein Bezug der Kunstwerke zur ehemaligen Nutzung des Gebäudes. Als Inspiration und Kulisse für die Kunstwerke dienen die Überbleibsel des alten Bürokomplexes. Enge Gänge sind bemalt, mausgraue Tapeten dienen als Leinwand, Aktenordner oder Feuerlöscher sind Teil von Installationen.

In diesem Jahr (2019) ist der Abriss des Gebäudes geplant. Ja, ja, leider sind viele StreetArt Werke nur zu vergänglich! Die Vergänglichkeit wird auch bei der Besichtigung der Ausstellung bewusst. Sei es beim Gang durch ein Labyrinth aus alten Regalen mit hunderten von Aktenordnern (wieviel Arbeit, Energie und Herzblut steckt in diesen Ordnern und alles ist heute nichts mehr wert!) oder bei einem Blick auf den Schreibtisch mit alten Dokumenten, aus denen der Ärger, Frust und Stress spricht, mit denen Mitarbeiter schon vor über 50 Jahren kämpften. Auch die Gedenkwand für die geschlossenen Tengelmannfilialen stimmt nachdenklich und zeigt, das, was heute wichtig erscheint, irgendwann nichtig und klein ist. Das hat ja auch schon Reinhard Mey erkannt 😉

Die 9€ für den Eintritt sollten einen nicht vom Besuch abschrecken. Es ist absolut empfehlenswert und ein einmaliges Erlebnis.

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Donnersbergerbrücke

Unter der etwas tristen Donnersbergerbrücke ist die größte Freiluftgalerie Deutschlands. Gut zu erreichen vom S-Bahnhof Donnersbergerbrücke. Unter der 4-sprurigen Autobrücke befindet sich ein riesiger Parkplatz, an dem alle Betonpfeiler und Betonflächen phantasievoll, bunt und grell bemalt sind. Wir hielten es trotz des kalten, winterlichen Wetters mehrere Stunden unter der Brücke aus und haben wie die Wilden fotografiert. Auch eisig kalte, steife Finger konnten uns nicht davon abhalten, so groß war die Begeisterung!

Westendstraße

Im Anschluss an die Donnersbergerbrücke lohnt sich der kurze Spaziergang nach Süden, um das Häuserviertel an der Bergmann-, Westend- und Tulbeckstraße in Augenschein zu nehmen. Zum Aufwärmen und um den Hunger zu stillen sind wir anschließend im Café Mandala eingekehrt Tipp.

Candiplatz

Direkt beim U-Bahnhof Candiplatz liegt ein weiteres StreetArt Highlight. Die Brückengalerie am Candiplatz haben 2016 internationale Künstler gestaltet. In Zusammenarbeit mit dem MUCA, dem Münchner Baureferat und einer privaten Bürgerinitiative wurde dieses Event organisiert. Auf der Galerie befinden sich international anerkannte Künstler wie Sebastian Wandl, l.e.t., Case, Herakut, Lapiz aus Neuseeland, Rone aus Australien oder die „Klebebande“ aus Berlin

Brücken an der Isar

Ein Spaziergang entlang der Isar, durch den großen städtischen Natur- und Erholungsraum in München, bietet neben dem Freizeiterlebnis einen Einblick in die vielfälltige Sprayer Szene in München.

Brudermühlbrücke

Wir starten im Süden an der Brudermühlbrücke, nicht weit vom Candiplatz entfernt. Seit 1996 werden die Brückenpfeiler jedes Jahr sehr aufwändig mit großflächigen Gemälden neu gestaltet. Es gibt hier also immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Alt-Sprayer Cemnoz, der die erste genehmigte Bemalung 1996 initiiert hat, übernahm die für ihn “ehrenvolle Aufgabe”, den 22. “Isart-“Anstrich zu kuratieren. Zusammen mit Lando vom Team Funky Fresh hat er 22 Sprayer für das Projekt “Kunterbunt im Untergrund” nach München eingeladen. Größen wie Sento aus New York, Ces 53 aus Rotterdam, Sonic aus der Schweiz, Spade aus Berlin und Münchner Helden wie Won (laut Cemnoz der “lokale Gott”) und Loomit arbeiteten drei Tage lang begleitet von DJs und Trommlern in der Freiluft-Galerie (Zitat Süddeutsche Zeitung)

Reichenbachbrücke

Ein Stück weiter Richtung Innenstadt, kurz vor der Museumsinsel, ist die Reichenbachbrücke. Auf beiden Seiten der Isar, in den Fußgängerdurchgängen, sind schöne StreetArt Werke zu sehen. Leider zum Teil übermalt.

Ludwigsbrücke und Müllersches Volksbad

Die nächste Station auf unserem StreetArt Spaziergang entlang der Isar ist die Ludwigsbrücke und das dahinter liegende Volksbad. Bei der Ludwigsbrücke haben auch einige Vandalen mit stümperhaften Sprayereien die kreativen Arbeiten verunstaltet.

Luitpoldbrücke beim Friedensengel

Noch ein Stück weiter die Isar entlang erreicht man die Luitpoldbrücke. Auch ein absolutes Muss bei einer StreetArt Tour! Für die Gestaltung rief “Loomit”  2011 nationale und internationale Graffitigrößen nach München: Flin und Tonik74 aus München, Daim aus Hamburg, Kid Acne und Dotmaster aus England, Light und Markus aus Russland, Stuko aus Japan und Kelp aus Chile. In der Fußgängerunterführung unterteilen vertikale Lichtröhren die Betonfläche in Leinwände, jede ist unterschiedlich gestaltet. Wie in einer Galerie schreitet man an beleuchteten Arbeiten vorbei.

Fazit

Leider haben wir in den 3 Tagen nicht alle sehenswerten StreetArt Plätze besuchen können. Die Zeit war einfach zu knapp und das Angebot zu vielfältig. Für das nächste Mal gibt es also noch genügend Locations, die einen Besuch lohnen: das Kultfabrik Gelände, den alten Schlachthof oder das Olympiadorf. Eine super Zusammenstellung der Müncher StreetArt Kunstwerke findet sich auf street-münchen.de.

3 Replies to “StreetArt in München”

  1. Hans Grein

    Bin tief beeindruckt!
    War mir nicht klar, welche Talente da schlummern und welche Kulturgüter da vermutlich irgendwann dem Sauberkeitsfimmel weichen müssen.
    Danke für diese Präsentation, das werde ich mir auch mal anschauen müssen.

    Bei dem Wetter im Iwan unterwegs?

    Viel Spaß weiterhin
    Hans

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  2. Lexuth-Thomä, Petra.

    Tolle Idee Münchens andere Seiten zu entdecken! Wo Ihr nur immer all diese Infos herkriegt!
    Hoffe, dass wir auch bald mal wieder in München sind und uns auf Graffity´s Spuren begeben können!
    Weiter so! Petra und Martin.

    Reply

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