Pfalz ihr mal weg wollt ?

Dieser Reisebericht über eine Wohnmobiltour in die Pfalz führt uns durch die Weinstädtchen Forst, Maikammer, Sankt Martin. Über die Esel von Eschbach erfährt man auch einiges. Am Rande der Pfalz, direkt gegenüber von Speyer, auf der anderen Rheinseite, liegt das Naturschutzgebiet Rheininsel Ketsch. Abschluss der Tour ist in Freudental im Zabergäu.

02. – 04. Juni 2020: Camping Klingbachtal

Mit sommerlichen Temperaturen startet die Wohnmobiltour an der A81 Ausfahrt Rottweil, führt zunächst Richtung Norden nach Freudenstadt und dann durch das schöne Murg-Tal Tipp. Bei Neuburgweier bringt uns die Fähre über den Rhein in die Pfalz. Von dort ist es nicht mehr weit auf den Campingplatz Klingbachtal Tippin Billigheim-Ingenheim.

Es herrschen jetz am späten Nachmittag immer noch hochsommerliche Temperaturen. So heiß, dass wir einen Komplettaufbau mit Fensterbeschattung und Markise hinlegen! Und danach ermattet im Schatten auf die Campingstühle sinken! Für das Abendessen haben wir einen Tisch im Gasthaus Mühlengrund mitten in den Weinbergen von Heuchelheim reserviert. Der kurze Weg von 2,5 km dorthin ist schweißtreibend, in praller Sonne müssen wir durch die Weinberge laufen. Im Mühlengrund Tippsitzen wir auf der Terrasse zum Glück im Schatten. Erfrischende Getränke und gutes Essen beleben die Geister. Der Rückweg in der Dämmerung bei gemäßigten Temperaturen ist dagegen sehr angenehm.

3. Juni 2020

Wieder Sommer pur am nächsten Tag. Unternehmungslustig sind wir nicht und lungern nur auf unserem großzügigen Stellplatz herum, gehen höchstens kurz zum Edeka am Kreisel einkaufen…bis am Nachmittag plötzlich über die Wiesen von Osten eine Regenwand aufzieht. Schnell wird aufgeräumt und schon fängt es an zu schütten und zu stürmen. Es bleibt nur der schnelle Rückzug ins Wohnmobil. Die Markise wird durchgeschüttelt und an den Gelenken fast zusammengefaltet. Zum Glück sind die Abstützungen mit Heringen im Boden befestigt. Bei so einem Unwetter sicher in unserem Iwan zu sitzen ist auch ein gutes Gefühl. Nach dem Unwetter ist es merklich abgekühlt. Das Abendessen in Branka’s Restaurant Tippam Campingplatz findet deshalb nicht auf der Terasse, sondern drinnen statt. Wir nutzen beim Essen gleich die Gelegenheit bei Immo 5 Kisten Riesling vom Weingut St. Georgenhof Tipp zu bestellen.

4. Juni 2020

Wechselhaftes Wetter und kühl. Außer kleineren Spaziergängen rund um das Dorf und durch die Streuobstwiesen unternehmen wir nichts. Abends kehren wir natürlich wieder bei Branka ein! Von Immo erfahren wir, dass der beste Riesling aus Forst vom Weinberg Kirchenstück kommt. Den müssen wir dann doch unbedingt mal probieren. Unser nächstes Ziel ist damit gesetzt!

05. Juni 2020: Forst an der Weinstraße

Der bestellte Wein wird noch eingeladen, gründlich entsorgt und dann brechen wir auf Richtung Forst. Langsam tingeln wir am Rande des Pfälzer Waldes entlang, über kleine Straßen, durch die kleinen Weindörfer. Die meiste Zeit regnet es! Lust, für eine Besichtigung auszusteigen, kommt da nicht auf. Bei Diesfeld wird es blau und die Sonne kommt raus. Also schnell rechts ran fahren und die Wanderstiefel schnüren. Der Plan nach Maikammer und St. Martin zu laufen wird durch aufziehende schwarze Wolken zunichte gemacht. Wir drehen um und gehen zurück.

In Forst angekommen ersteht Heike in der Winzergenossenschaft zwei Flaschen Kirchenstück. Danach rüsten wir uns für einen längeren Spaziergang. Zunächst besichtigen wir hinter der Kirche den Wingert Kirchenstück. Auf diese Lage sind die Forster besonders stolz und bezeichnen das Kirchenstück als die beste Rieslinglage weltweit und überhaupt.

Im Jahr 1830 wurde dem Kirchenstück die höchste Bodenbonitätsklasse 65 bei der bayrischen Landaufnahme zuerkannt. Die damit beste Weinlage der Pfalz mit ca. 3,7 ha liegt direkt am westlichen Ortsrand hinter der Forster Kirche

Die ausgewogenen, dichten und sehr saftigen Weine zeigen eine Vielfalt an Aromen und sind sehr langlebig. (https://forster-winzer.de/unserer-weinlagen/)

Hinter dem Kirchenstück liegt die Lage Ungeheuer. Hier wächst auch ein Riesling, der nicht zu verachten ist. Wir gehen noch weiter den Berg hinauf bis zum Wald. Der Weg führt zur Bismarckhöhle. Ein im Jahr 1885 geschaffener Unterschlupf für Wanderer. Die Gedenktafel trägt die Inschrift:

Bringt Wetter dich
In Not,
So kehre bei mir ein.
Männiglich
Arm wie
Reich,
Christ oder Heid,
Künftig soll geschützet sein.

Die Anfangsbuchstaben ergeben den Namen des damaligen Reichskanzelers “Bismarck”. Weiter geht’s von hier bis zu Thomas Waldweinstube, ein idylisches Plätzchen mit schönem Talblick. Leider hat sie bei diesem unbeständigen Wetter nicht geöffnet. Kurz nach der Weinstube erreicht man Wachenheim und von dort links den Berg hoch die Wachtenburg. Beim Aufstieg entscheiden wir uns nicht für den ausgeschilderten Weg, sondern nehmen einen abenteuerlichen Pfad über rutschige Böschungen und verwilderte Treppen durch die Weinberge. Die Wachtenburg ist sehr weitläufig und man hat viele Aussichtspunkte mit tollem Blick über die Pfalz. Bei unserem Besuch war wegen Bauarbeiten leider nicht das gesamte Gelände begehbar. Außerden gibt es noch eine Burgschänke mit tollem Biergarten. Ein Besuch der Wachtenburg ist sehr empfehlenswert Tipp! (https://www.wachtenburg.de/)

Zurück in Forst ist es auch schon Zeit unseren reservierten Tisch im Restaurant Ungeheuer Tipp anzusteuern. Das ist auch die erste Gelegenheit einen Riesling vom Kirchenstück und Ungeheuer zu testen. Das “Ungeheuer” schmeckt so gut, da muss morgen auch noch eine Kiste mit.

06. Juni 2020: Dörfer entlang des Pfälzer Waldes

Nachdem das “Ungeheuer” eingeladen wurde fahren wir den gleichen Weg zurück, den wir gestern gekommen sind. Halten aber unterwegs an um Maikammer zu besichtigen. Leider ist die schöne Marktstraße und der Marktplatz komplett aufgerissen und durch Baufahrzeuge versperrt.

Direkt neben Maikammer liegt Sankt Martin Tipp. Das kleine Dorf darf man sich nicht entgehen lassen. Es gibt einen Campingplatz und vier Wohnmobilstellplätze: in der Totenkopfstraße, der Edenkobener Straße, beim Vinotel Schreieck und beim Consulat des Weines. Also ausreichend Platz für Wohnmobilisten.

Enge Gassen und viele Fachwerkhäuser prägen Sankt Martin, das sich immer weiter in ein enges Tal schmiegt. Mitten durch das Dorf fließt noch der Kropsbach direkt neben der Straße. Touristisch geprägt gibt es natürlich auch sehr viel einladende Weinstuben und Restaurants.

Die Esel von Eschbach

Unser nächstes Ziel Eschbach ist nicht unbedingt ein touristisches Highlight, aber mit einer Besonderheit kann das Dorf aufwarten: die Eschbacher Eselei. Im Volksmund werden die Eschbacher als “Esel” bezeichnet. Warum ist nicht so ganz klar. Ein Einwohner hat uns erzählt, dass früher in Eschbach Esel gezüchtet wurden, um den Zehnten auf die Madenburg zu schleppen. Das ist nicht so ganz die offizielle Version. Aber sei’s drum. Auf jeden Fall haben die Eschbacher etwas daraus gemacht. Über das ganze Dorf verteilen sich über 30 individuell gestaltete Esel. Jeder zu einem bestimmten Thema und mit einem Namen. Eine Zusammenstellung aller Esel gibt es hier: http://www.eschbachpfalz.de/eschbacher_eselei.htm. Wir haben nur 26 Stück entdeckt und hier eine Auswahl der Fundstücke:

Nach der Eselpirsch verlassen wir die Pfalz in Richtung Speyer, fahren mit der Kollerfähre über den Rhein und suchen und bei Ketsch einen ruhigen Übernachtungsplatz.

07. Juni 2020: Rheininsel Ketsch und Freudental

Bei Ketsch bildet der Altrheinarm und der Rheinkanal eine 490 ha große Insel, die seit 1950 unter Naturschutz gestellt ist. Auf der Insel sind über 500 Planzen- und Tierarten nachgewiesen, von denen viele selten oder gefährdet sind. Ein 2 km langer Naturlehrpfad  bietet viele Informationen über die Auenwälder auf der Insel und die Pflanzen und Tiere, die auf ihr leben. Wir folgen ihm  quer über die Insel, dann entlang des Rheines und auf dem Rückweg am Altrheinarm. Nach dem schönen Spaziergang durch die urwaldähnlichen Wälder ist es auch Zeit weiter zu fahren. Am Abend sind wir mit Conny in Freudental bei Gosch verabredet.

In Freudental sind wir etwas zu früh, stellen daher Iwan auf dem Gosch-Parkplatz ab und holen uns jeweils ein Fischbrötchen. Die schmecken zwar ganz gut, aber den Vergleich mit den knusprigen Baguettebrötchen mit dicker Lachsscheibe von Gosch in Wenningstedt bestehen sie nicht! Dennoch können wir gestärkt die verbleibende Zeit noch mit einem Spaziergang überbrücken. Zum Glück sind wir nochmals zu Fuß los, so kommen wir nämlich an einem idealen Übernachtungsplatz vorbei: im Grünen, abgelegen und total ruhig. Also nochmal schnell zurück und Iwan umparken! Pünktlich sind wir wieder bei Gosch und können uns zu Conny auf der Terrasse an den Tisch setzen.

Nach einer äußerst ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück bleibt uns nur noch der Rückweg Richtung Stuttgart.

Route

2 Replies to “Pfalz ihr mal weg wollt ?”

    • wspword Post author

      Hallo Mirjam,
      hab auch schon gedacht, dass die Pfalz (besonders Sankt Martin) für unser jährliches Treffen auch ein tolles Ziel wäre.
      Leider ist der Anfahrtsweg ziemlich lang 🙁
      Gruß
      Heike & Wolfgang

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