Römersiedlungen, mittelalterliche Städte und Bergdörfer

In vielen Bergdörfern in den Abruzen und im Apennin haben sind in den letzten Jahren zu Freiluftgalerien entwickelt.  Saludecio hat sich auf die Darstellung wichtiger und ausgefallener Erfindungen spezialisiert. Sant’Angelo di Roccalvecce auf Märchenmotive. In Mondolfo sind verchiedene Kunstrichtungen frei zugänglich. Oder Acquapendente, in dem seit Jahren das Urban Vision Festival stattfindet. Auf der Tour durch die Berg Norditaliens kommen wir nicht nur an der römischen Siedlung Carsulaevorbei, sondern besuchen auch die Renaissancstadt Urbino, stehen auf dem Balkon der Marken, besuchen die Travertinstadt Ascoli Picenco und die sterbende Stadt Civita di Bagnoregio. Auch die Natur kommt nicht zu kurz. Sei des mit den Lame Rosse, dem Lago Fiastra oder dem Bolsena See. 

29. April 2026: Das Dorf der Erfindungen

Saludecio liegt einige Kilometer von der Küste entfernt auf einem Bergrücken und ist damit ein typisches Bergdorf. Innerhalb der Festungsmauern, die das Dorf umgeben, geht es ruhig und gemächlich zu. Doch mit einer Besonderheit kann Saludecio aufwarten: 50 Wandmalereien zum Thema der wichtigsten und kuriosesten Erfindungen des 19. Jahrhunderts sind in den steilen Gässchen versteckt.

Durch die Porta Marina betreten wir das mittelalterliche Städtchen. Alles wirkt etwas verschlafen. Es sind kaum Leute auf der Straße unterwegs. Cafés oder Bars sind rar gesät und auch nicht geöffnet. Gute 2 Stunden sind wir die 5 Gassen im alten Ortskern hoch und runter gelaufen. Mit einigen dutzend Fotos reicher fahren wir weiter zu dem naturnahen Campingplatz Pronto Campi in Castello di Cavallino in der Nähe von Urbino.

30. April 2026: Renaissancestadt Urbino

Während der Renaissance erlebte Urbino eine kulturelle Hochphase, geprägt durch den einflussreichen Herzog Federico da Montefeltro. In dieser Zeit wurde auch die Universität gegründet (1506). Urbino ist zudem die Geburtsstadt des berühmten Malers Raffael und ein bedeutendes Zentrum für Architektur und Kunstgeschichte. Wegen seiner Architektur und Kulturgeschichte ist Urbino ein UNESCO Weltkulturerbe.

Wichtige Sehenswürdigkeiten wie den Palazzo Ducale, den Dom, das Fortezza Albornoz, den Parco della Resistenza oder die Piazza della Repubblica haben wir angeschaut. Neugierig und zaghaft sind wir in die Bibliothek der Universität San Girolamo. Dann hat uns eine Mitarbeiterin angesprochen und uns den Garten der Bibliothek gezeigt, in einen besonderen Lesesaal geführt und uns auf das ehemalige Gefängnis im Keller hingewiesen. Auch den versteckten Botanischen Garten der Universität haben wir entdeckt.Einen Teil der Stadt kann man auch auf der Stadtmauer umrunden.

Da Urbino auf zwei Hügeln erbaut wurde, ist ein Stadtrundgang zwangsläufig ist mit vielen Steigungen und Treppenstufen verbunden. Das fängt schon beim Aufstieg vom Parkplatz über die Rotunde zum Palazzo an. Heute startete gerade das Festival UrbinoI Aquarello. Vor dem Domplatz saßen mehrer Schulklassen auf dem Pflaster und übten sich in der Aquarellmalerei. In der ganzen Stadt gab es künstlerische Aktivitäten und Ausstellungen

Nach vielen Schritten und Stufen fuhren wir weiter Richtung Küste und stellen uns auf den Camping Mar y Sierra. Beim Einchecken haben wir erfahren, dass in der Region ein Harley-Davidson Treffen mit mehreren Tausend Teilnehmern stattfindet. Einige davon sind auch auf dem Campingplatz einquartiert.

Nach einem kleinen Spaziergang beschließen wir, heute Abend im Restaurant auf dem Campingplatz zu essen, dort soll es sehr gute Pizzen geben. Beim Bestellen stellt sich heraus, dass der Pizzaofen kalt bleibt. Na ja, dann eben Lasagne… Doch die war leider auch aus. Dafür war dann das Essen mit 60€ etwas wenig und auch nicht so gut wie aus der eigenen Küche. Zumindest hat man von der Terrasse des Restaurants einen tollen Blick hinüber nach Mondolfo.

01. Mai 2026: Freiluftgalerie Mondolfo

Wir laufen die 3,5 Kilometer vom Campingplatz durch das Valle dei Tufi nach Mondolfo. Der Weg hinauf ins Dorf ist ziemlich steil und bei den heutigen Temperaturen anstrengend. Mondolfo ist ein pittoreskes Dorf und die Altstadt am 1. Mai wie ausgestorben. Das historische Stadtzentrum hat sich im Lauf der Jahre in eine beeindruckende Freiluftgalerie gemausert. In Mondolfo gibt es Skulpturen, Fotografien von Mario Giacomelli und Wandgemälde zu sehen.

Nach dem Rundgang gehen wir zur einzigen offenen Bar zum Eis essen. Hier trifft sich das Dorf, jeder Fremde fällt sofort auf und wird mit Händen und Füßen in ein Gespräch verwickelt.

Auf dem Rückweg fliegen im Tal die “Bienenfresser” über uns hinweg. Leider ist das Teleobjektiv im Iwan geblieben und die entstandenen Fotos haben nur einen Erinnerungswert. 

Auf dem Campingplatz kommen wir mitten in die Party eines Harleytreffens. In Senigalli treffen sich am Wochenende tausende Harleyfahrer. Diejenigen, die auf unserem Campingplatz übernachten, haben ihre Maschinen rund um den Pool aufgestellt.

02. Mai 2026: Erst die Bienenfresser dann nach Jesi

Die Bienenfresser im Valle dei Tufi haben uns gestern schon überrascht. Heute sind wir mit Iwan dorthin gefahren, in der Hoffnung die bunten Vögel wieder zu sehen. Und tatsächlich waren einige wieder unterwegs. Sie ließen sich auch heute ausgiebig beobachten und fotografieren.

Um die Mittagszeit sind wir dann weiter nach Jesi gefahren. Das Städtchen ist bekannt wegen seiner historischen Stadtmauer, auf der aus Platzgründen auch Wohnhäuser gebaut wurden. In Jesi wurde Friedrich der Zweite geboren, woran man an allen Ecken in der Stadt erinnert wird. Von der Piazza Frederico II bis zum Stadttor Arco Clementino geht entlang des Bergrückens eine schnurgerade Straße durch die Stadt. Hier sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu finden und auch die Haupteinkaufsmeile, die wegen des Feiertags aber ganz verlassen war.

Links und rechts davon geht es schnell weniger prächtig zu. Häuser sind verlassen und dem Verfall preisgegeben. Allerdings werden mittlerweile viele der Palazzi gerade renoviert. Es scheint an diesem Wochenende ein Fest in der Stadt zu sein. Auf den Plätzen stehen Bierbänke und an den Foodtrucks gibt es Essen und Bier. Um die Mittagszeit ist dort wegen der Hitze aber noch nicht viel los. Als wir uns entschließen, etwas zu essen, sind die Foodtrucks wegen Siesta schon geschlossen.

Am späten Nachmittag fahren wir weiter. In Jesi gibt es leider keine richtige Übernachtungsmöglichkeit. Eine halbe Stunde entfernt liegt Cingoli, das sich “Balkon der Marken” nennt. Mühsam quält sich Iwan über sehr steile und enge Straßen durch die Stadt, nur, um am Ende vor einem voll belegten Wohnmobilstellplatz zu stehen. Ein paar Minuten weiter finden wir zum Glück auf dem Area Sosta Camping Sparaceto Tipp ein idyllisches Plätzchen, auf dem wir freundlich empfangen werden. Auf der Terrasse des Platzes können wir bei einem Schluck Wein den Blick auf den Balkon der Marken genießen. Vom Campingplatzchef gibt es dazu noch frische Saubohnen zum Knabbern. Saumäßig gut!

03. Mai 2926: Über Umwege am den Lago Fiastra

Vom Campingplatz geht entlang der Straße ein bequemer Fußgängerweg nach Cingoli. Den nehmen wir, um uns “den Balkon ser Marken“, wie sich Cingoli nennt, genauer anzuschauen. Die Stadt wurde vom Erdbeben 2016 arg mitgenommen, wie so viele im Nationalpark Sibillini. Trotzdem ist es eine lebendige Stadt. Viele zieht es dorthin, um vom Balkon aus einen Blick auf die Landschaft der Marken zu erhaschen.

Zurück bei Iwan, der noch auf dem Campingplatz auf uns wartet, beginnt die Odyssee. Wir wollen nach Pievebovigliana. Wegen eines schönenen Stellplatzes und einer Wanderung um einen naheliegend See. Nach einer herrlichen Fahrt über enge, kurvige Bergstrassen (und oft mit vielen Schlaglöchern!) sind wir nach 1 Stunde dort. Ganz Pievebovigliana ist Renovierungsgebiet, auch wegen des Erdbebens. Wir verirren uns in den Gassen, die wegen Baugerüsten so schmal sind, dass wir die Rückspiegel anklappen. Den Weg zum Stellplatz finden wir nicht 😏.

Dann eben ein Stück weiter nach Fiordimonte. Der Platz ist schön, die Aussicht dort auch. Aber Wanderwege Fehlanzeige. Es ist gerade mal 14 Uhr, der Tag noch lang. Eine Alternative muss her. Der Platz Bocconi am Lago Fiastra. Wieder eine kurze Fahrt mit Kurven, bergrauf, bergrunter. Aber die Zufahrt zum Platz ist gesperrt und wäre nur mit einem Unimog befahrbar.

Mittlerweile etwas entnervt steuern wir einfach den nächsten Campingplatz R&B camping Tipp an, der sich als Glücksgriff entpuppt. Kaum belegt, Platz mit Seeblick und ein schöner Spazierweg entlang des Sees. Was will man mehr?

04. Mai 2026: Lame Rosse

Wandern steht heute im Programm. Der Hinweg zu einem ganz besonderen Ziel ist zwar nur 3,5 km lang, aber 300 Höhenmeter sind zu überwinden. Das ist viel für uns Flachlandwanderer. Der Tag ist aber gut ausgesucht. Die Sonne scheint, die Temperaturen pendeln um die 20 Grad. Also sehr angenehm.

Am Campingplatz checken wir aus und fahren bis kurz vor die Staumauer des Lago Fiastra. Auf dem Seitenstreifen neben der Straße stellen wir Iwan ab. Dann geht der Weg über die Staumauer und durch einen Tunnel. Über einen schönen Weg, zum großen Teil durch Wälder, geht es die 300 Meer aufwärts. Kurz vor dem Ziel steht man vor einem sehr steilen Geröllfeld. Hier sind Vorsicht und Schuhe mit gutem Profil geboten. Vielleicht sogar Wanderstöcke. Vor allem beim Abstieg kommt man auf dem Geröll sehr leicht ins Rutschen. Der Aufstieg lohnt aber die Mühe.

Die Lame Rosse sind rote Felstürme und tiefe Rinnen, die sich durch Erosionen gebildet haben. Wir setzen uns am Fuß der Felsformationen auf einen umgefallenen Baum und verzehren das mitgebrachte Vesper.

Wieder zurück bei Iwan kurven wir fast eine Stunden über viele Serpentinen nach Montefortino auf den Campingplatz Sibilla Tipp. Warum dahin, so weit ab vom Schuss? Der Platz bietet etwas ganz Seltenes in Italien: er hat nicht nur eine Waschmaschine, sondern auch einen Wäschetrockner!!!

Bei der Einfahrt in den Platz müssen wir uns verdutzt umschauen: kein Wohnmobil, Zelt, Wohnwagen oder ähnliches weit und breit. So was haben wir noch nie erlebt! Dabei ist der Platz tip top in Ordnung. Wir bleiben trotzdem, denn die Wäsche muss gewaschen werden. 👕 👙 👖 🪣

05. Mai 2026: Gola dell’Infernaccio und Montefortino

5 km vom Zeltplatz ist die Gola dell’Infernaccio. Eine enge, tiefe Schlucht mit Wasserfall am Ende. Dahin möchten wir heute.

Am Morgen sind wir bei kräftigem Regen aufgewacht. Weniger gut für eine Wanderung, aber ideales Wetter, um das Gefrierfach im Kühlschrank abzutauen. 🙈 Das ist aufwändiger als gedacht, erst gegen Mittag ist es erledigt.

Immer noch hängen die Wolken tief und es schauert. Trotzdem machen wir uns bereit für die kleine Wanderung. In Rubbiano lassen wir das Wohnmobil stehen und laufen los. Kurz vor dem Eingang der Schlucht ist die Strecke gesperrt. Es wird vor Steinschalg gewarnt und empfohlen, in der Schlucht einen Helm aufzusetzten. Wir gehen trotzdem noch ein Stück weiter. Dann ist der Weg wegen eines Steinschlages blockiert. Darüber klettern wollen wir dann doch nicht und kehren um.

Nach einer kurzen Pause am Campingplatz steigen wir die 100m hoch ins Dorf Montefortino. Auch so ein verschlafenes Bergdorf, in dem man kaum Menschen sieht. Trotzdem schön, durch die verwinkelten Gassen zu gehen. Von den 4 Kirchen im Dorf sind 2 wegen Erdbebenschäden nicht mehr zugänglich. Wehrhafte Häuser bilden die Stadtmauer mit den 3 Stadttoren. Das Wetter spielt immer noch verrückt. Wolken und blaue Himmelsfetzen wechseln wie wild. Die Sonne kommt durch die Löcher und beleuchtet die Landschaft mit Lichtkegeln, wie aus einer Taschenlampe. Der Ausblick auf dem Weg zum höchsten Punkt in Montefortino, der Chiesa di San Francesco di Paola, ist atemberaubend.

06. Mai 2026: Ascoli Piceno und Spoleto

Eine nicht allzu lange, aber eine umso kurvenreichere Strecke bringt uns nach Ascoli Picenco. Die “Travertinstadt” oder auch die “Stadt der 100 Türme” wird sie genannt. Aus der Entfernung betrachtet kann die Anzahl der Baukräne mit den Türmen mithalten. Die Sanierungsarbeiten wegen des großen Erdbebens sind immer noch im Gange.

Die Straßen in der Altstadt sind für Wohnmobile kaum geeignet, es gibt viele Einbahnstraßen und die Stadtteile sind durch ein tiefes Tal getrennt. Verfährt man sich in Ascoli, sind weite Umwege durch enge Gassen notwendig.  Und ich bin zackig am Wohnmobilstellplatz vorbei gefahren, der in einer Einbahnstraße liegt!

Nach einer Nerven aufreibenden Rundfahrt zurück zum Wohnmobilparkplatz können wir uns endlich auf den Weg in die Innenstadt machen. Nicht weit vom Parkplatz liegt die Piazza Arringo. Einer der beeindruckenden Plätze in der Stadt. An der Kopfseite steht auch der Dom. Der ganze Platz ist zur Baustelle umfunktioniert und mit hohen Bauzäunen umgeben.

Auf der Piazza del Popolo sind die Marktleute gerade beim Einpacken, leider sind wir zu spät dran. Die Pracht des Platzes, mit seinen Arkaden und den Travertinplatte ist beeindruckend. Es gibt in Ascoli einige prunkvolle Gründerzeithäuser, erinnert etwas an Prag. Wir gehen noch zur Punta Nova, bevor wir uns im “Cafè Kursaal” niederlassen. Zum Abschluss besuchen wir noch das Forte Malatesta mit der Ponte di Cecco.

Dann machen wir uns auf den Weg zum nächsten Ziel Spoleto. Dort weiter im Westen Italiens soll das Wetter in den nächsten Tagen besser werden.

Es ist schon später Nachmittag, als wir in Spoleto auf dem Wohnmobilstellplatz ankommen. Die Altstadt zieht sich einen ganz steilen Bergrücken hinauf. Zum Glück kann man mit Rolltreppen hinauffahren: Insgesamt 8 Etappen bringen den Besucher die 130m nach oben zur Rocca Albornoz. Von dort schlendern wir gemächlich hinab, immer mit offenen Augen für ein geeignetes Restaurant.
Die Plätze mit Gastronomie sind gut bevölkert. Daneben kleine Spezialitätengeschäfte, die allerlei Köstlichkeiten anbieten.
Wir studieren die Speisekarte eines Restaurants. Menüs mir 3-4 Gängen, inklusive Wein und Kaffee für 40€ werden angeboten. Leider hat das Restaurant keinen Tisch frei. Aber gegenüber haben die Eltern des Besitzers ihre Trottoria. Wir werden hinüber begleitet, in einer Seitentür wird mit der Küche alles abgeklärt und schwups sitzen wir an einem Tisch. Und das Essen war sehr gut. Nach Vorspeise, 2mal Nudeln, einem Hauptgericht und Nachtisch sind wir wirklich satt. Gut, dass wir noch ein Stück nach unten durch die Stadt zurück zu Iwan laufen müssen.

07. Mai 2026: Carsulae und ein römischer Hafen

Die ehemalige Stadt Carsulae Tipp lag an der wichtigen römischen Straße Via Flaminia, die Rom mit der Adria verband. Carsulae wurde nie durch neue Siedlungen überbaut. So ist die Struktur der Stadt perfekt erhalten und beim Rundgang läuft man über die gut erhalten Via Flaminia. Carsulae entstand ca. 300 Jahre v. Chr. gegründet und wurde um 600 n. Chr verlassen, warum ist nicht geklärt. Zu sehen sind heute das Amphitheater, Quadrifrontes, Grundmauern der Tempel, das Stadttor, Mausoleum und einiges mehr.

Wir sind nach Narni weitergefahren, um eine Wanderung entlang des Flusses Nera zu unternehmen. Iwan steht an den Resten der Römischen Augustusbrücke. Über sie führte die Via Flaminia, die wir aus Carsulae kennen. Im Jahr 840 n. Chr zerstörte ein Erdbeben die Brücke. Von hier laufen wir los. Zuerst auf einem Schotterweg. Das Vorankommen ist mühsam. Deswegen wechseln wir nach einer Stunde auf den Fahrrad und Wanderweg, der auf einer ehemaligen Bahnstrecke angelegt wurde. Bahntunnel müssen wir auch durchqueren.

Vom Weg aus hat man das Panorama von Narni im Blick, das sich auf dem gegenüber liegenden Bergrücken hinzieht. Auch das smaragdgrüne Wasser der Nera schimmert immer wieder durch die Bäume. Die Farbe des Flusses kommt durch Magnesiumsalze und andere Mineralien und der Spiegelung der üppigen Vegation am Ufer. Den Weg gehen wir bis nach Stifone. In dem Örtchen gibt es eine römische Werft und einen römischen Hafen. Stifone nennt sich auch „borgo dei ruscelli“ – das Dorf der Bäche. Überall sprudeln dort die Quellen aus dem Gestein.

Wir fahren weiter nach Orte auf den Wohnmobilstellplatz “Agriturismo del Gelsomino” mit Stellplätzen im Olivenhain. Eigentlich sehr schön gemacht, der Platz. Leider liegt er genau im Dreieck zwischen Autobahn und einer viel befahrenen Straßen. Nachtruhe ist da nicht ganz die richtige Bezeichnung. Da wären wir besser unter der Augustusbrücke stehen geblieben.

08. Mai 2026: Sant’Angelo, das Märchendorf

Sant’Angelo di Roccalvecce war dazu bestimmt, von der Landkarte zu verschwinden. Nur noch etwa 100 ältere Einwohner lebten dort und die junge Menschen waren abgewandert. Im Juni 2017 gründeten die Geschwister Gianluca und Paola Chiovelli das Projekt „Sant’Angelo paese delle fiabe“. Ziel war es, dem demografischen und wirtschaftlichen Verfall des kleinen Ortes entgegenzuwirken. Das Dorf sollte sich in ein Freiluftmuseum für Märchenkunst verwandeln. Zur Realisierung wurde der Kulturverein ACAS (Associazione Culturale Arti e Spettacolo) gegründet. Das Projekt konzentriert sich auf weibliche Street-Art-Künstlerinnen, die die Fassaden der Häuser mit Szenen aus bekannten Fabeln und Märchen bemalen.

Die Mauern wurden zu einer Freiluftgalerie, die Szenen wie “Alice im Wunderland”, “Das Dschungelbuch” oder “Hänsel und Gretel” zeigt. Sant’Angelo ist heute ein beliebtes Ziel für Touristen, die durch die Gassen spazieren, um die zahlreichen Märchenbilder zu entdecken. Es gibt auch wieder mehrere Bars, die von Touristen und Einwohnern gerne besucht werden.

Auf unserem Rundgang sprach uns Alessandro an, der sich in der Initiative ACAS engagiert. Er erzählte uns einiges über das Projekt. Dank Google Übersetzer hat die Unterhaltung auf italienisch ganz gut geklappt. Im “Gnoma GolosaTipp gibt es zum Abschluss noch frische Panini und etwas zu trinken. Gerade bei Iwan angekommen, setzt ein starker Regen ein. Mal wieder Glück gehabt!

Bei Regen erreichen wir dann auch in Bolsena den Campingplatz Internazional Il Lago. Der Platz ist ganz ok, auch wenn die Besitzerin etwas mürrisch daher kommt und ein strenges Regiment bei der Campingplatzordnung herrscht. Warm angezogen und mit Schirm bewaffnet verlassen wir unseren IWAN. Am Seeufer entlang und durch eine breite Allee kommen wir in die Altstadt. BeiRobertaTipp gibt es Oliven, Käse, eingelegte Tomaten, Brot und lokalen Wein. Aus einem Apéro wird ein vollständiges Abendessen! Viel von der Stadt haben wir bis heute noch nicht gesehen.

 

09. Mai 2026: Am Bolsenasee

Heute ist Sonne pur. Von Iwan aus sehen wir sogar einen Zipfel Bolsenasee. Entstanden ist er durch den Einsturz eines Vulkankraters. Auf dem gleichen Weg wie gestern gehen wir ins Städtchen. Auf der Strandpromenade landen wir inmitten eines Treffens von “Lotus Fahrern”. Man merkt, es ist Wochenende und schönes Wetter. Viele Leute flanieren am Ufer entlang.

Steil geht es nach oben zur Burg, die auf einem Tuffsteinfelsen erbaut wurde. Wie in jedem Bergdorf gibt es steile Treppen, enge Gassen und viele Häuser, die auf interessierte Käufer warten. Aber oben in der Stadt ist eine Gasse, die von Blumenkübeln gesäumt ist und in der etliche Restaurants und Bars angesiedelt sind!

Abends sind wir noch an der Uferbar bei einem Apéro anzutreffen, bevor der Grill eingeheizt wird.

10. Mai 2026: Civita di Bagnoregio, die sterbende Stadt

Civita di Bagnoregio wurde vor 4000 Jahren auf einem Felsplateau gegründet. Seitdem trotzt das Dorf den Erdrutschen, Erdbeben und der Erosion, die ständig an dem Felsen knabbern. Vom ursprünglichen Plateau ist heute nur noch ein Drittel übrig. In seiner Blüte zählte Civita di Bagnoregio 3000 Einwohner. Nach einem großen Erdbeben um 1695 verließen die meisten Einwohner die Stadt. Heute leben noch 7 Personen dort. Deshalb heißt Civita di Bagnoregio auch “die sterbende Stadt”.

Durch die eine Million Touristen im Jahr, jeder zahlt 5€ Eintritt, ist das Leben teilweise wieder zurück. Vom neuen Bagnoregio führt eine 300 Meter lange Brücke zum letzten verbliebenen Stadttor. Für die Touristen gibt es viel Gastronomie und Andenkenläden. Für die Bewohner aber keine Geschäfte für den täglichen Bedarf.

Von Bolsena fahren wir im strömenden Regen los. Wir überlegen schon, im Iwan auszuharren, um auf besseres Wetter zu warten. Doch kaum am Parkplatz angekommen, lässt der Regen nach. Wir gehen los. Durch das neue Dorf bis zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf Civita di Bagnoregio, das zur Hälfte noch in den Wolken hängt. Der Anstieg ins Dorf über die Brücke ist ziemlich steil.

Das sterbende Dorf sieht sehr gepflegt aus. In den Gassen und an den Häusern viele Blumen, die Gebäude alle intakt. Trotz des regnerischen Wetters haben einige Touristen die Stadt besucht. Zum Abschluss genehmigten wir uns noch ein Panino mit Schweinebraten.

11. Mai 2026: StreetArt in Acquapendente

Seit 2015 findet in Acquapendente jedes Jahr das Urban Vision Festival statt. Es soll sich im Lauf der Jahre eine hochwertige Sammlung von Wandgemälden in der Stadt angesammelt haben. Im Internet finden sich wirklich sehr schöne Kunstwerke. Für uns bedeutet das: nichts wie hin. Es sind ja auch nur 30 Minuten Fahrtzeit von Bolsena.

Am Stadion findet sich ein Parkplatz und eine Entsorgungsstation für Abwasser. Ein paar wenige Schritte und man erreicht die Altstadt, in der sich die Gemälde befinden. Acquapendente liegt sehr schön in den sanften Hügellandschaften. Immer wieder eröffnen sich herrliche Aussichten auf die Umgebung und die Dächer der verwinkelten Altstadt. Senkt sich der Blick in die Gassen, sieht es trostloser aus. Vieles ist im Niedergang begriffen, man läuft durch muffige Wege oder durch die engen Straßen, in den auch Autos zügig hindurchfahren.

Von den Streetart Werken, die im Internet zu finden sind, scheint es einige nicht mehr zu geben. Manche sind kaum noch vorhanden oder auch stark verblasst. Schade, denn sie sind eigentlich wirklich sehr gut. Manche sind aber auch in den Hinterhöfen nicht öffentlich zugänglich. Sogar für uns, die mit viel Erfahrung normalerweise auch in den verstecktesten Ecken fündig werden, war die Suche ernüchternd.

Der Funke der Begeisterung für die Stadt ist bei uns nicht übergesprungen. Am Montag, am späten Vormittag, waren die meisten Läden dicht, die Kneipen zu. Einzig am Platz, an dem sich das Rathaus befindet, war etwas vom Stadtleben zu erahnen. Einige Kneipen hatten geöffnet und ein paar Leute saßen beim Mittagessen davor.

Von Acquapendente kamen wir nach Abbadia San Salvatore in die Toskana. Es ist dem Ziel für den morgigen Tag näher und es gibt mehrer Supermärkte hier. Die Lebensmittelvorräte müssen dringend ergänzt werden. Nach dem Einkauf beim COOP fahren wir zur Agrisosta Fabbrini Tipp und machen dort einen kurzen Urlaub auf dem Bauernhof mit Hühnern, Ziegen, Hunden, Katzen und 3 Eseln. Der einfache, idyllisch gelegene Platz ist nur für kleinere Wohnmobile geeignet.

Die Route

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *