Die Niederländischen Küste zwischen Renesse und Haarlem

Die sechste Woche unserer Reise entlang der Nordseeküste startet mit einem Besuch im Nationalpark Kwade Hoek. Ein paar weitere Tage im sehr schönen Delft nutzen wir für Städtetouren nach Scheveningen, Den Haag und Rotterdam. Ein Zeugnis der historischen Niederländischen Wasserwirtschaft ist im Windmühlenpark von Kinderdijk zu besichtigen. Von dort fahren wir nach Haarlem. Ein besonders reizendes Städtchen, das mit 4000 denkmalgeschützten Bauten und mit  einigen anderen Überraschungen aufwarten kann.

07. Oktober 2025: Vogelbeobachtung und Dünengebiet bei Stellendam

Wir starten heute in Renesses und fahren über den 6,5 km langen Brouwersdam hinüber nach Südholland. In Stellendam gibt es im Naturschutzgebiet Scheslhoek das Vogelobservatorium ‘Tij’ Haringvliet. Es sieht aus wie ein gestrandetes UFO von einem anderen Stern. Das wollen wir uns anschauen und von dort natürlich auch die Vogelwelt beobachten. Praktischerweise bietet der Jachthafen, direkt am Rand des Naturschutzgebietes, gut ausgebaute Stellplätze an. Bei unserer Ankunft haben wir das große Gelände ganz für uns.

Vom Eingang zum Jachthafen geht ein schmaler Trampelpfad zur Beobachtungsplattform. In der Bucht halten sich mehrere Seidenreiher auf und die Schnatterenten ziehen gemächlich ihre Bahnen. An einem Fenster der Plattform ist ein Swarovski Spektiv montiert, mit dem man natürlich einen exzellenten Blick auf die Vogelwelt hat.

Die Zeit verfliegt schnell bei der Vogelbeobachtung. Irgendwann nagt der Hunger in den Gedärmen. Wir gehen zu Iwan zurück und fahren ein Stück zur “Poisson Cuisine”, ein Fischgeschäft mit einem Küchenchef, der früher in einem Sterne Restaurant arbeitete. Das hört sich vielversprechend an! Das Restaurant ist eigentlich ein Schnellimbiss und von den Sternen ist auch nichts übrig geblieben. Die verzehrten Fish & Chips liegen ziemlich fettig und schwer im Magen. Da würde nach dem Essen etwas Bewegung gut tun.

Aber was machen? Das Wetter ist mal wieder regnerisch und in der Umgebung des Fischereihafens herumzulaufen macht auch keinen Spaß. Also wieder ins Auto und weiterfahren. Ein Stück entfernt beginnt der Nationalpark Kwade Hoek Tipp. Am Rande des Gebietes ist ein kleiner Parkplatz, an dem mehrere Wanderrouten starten. Da der Nationalpark vor den Deichen liegt, muss man zunächst eine hohe, bewaldete Düne erklimmen – erreicht dann einen Aussichtspunkt, von dem man den kleinen Leuchtturm sieht und über die Dünenlandschaft und Feuchtgebiete bis zum Meer blickt.

Am Fuß der Düne fängt ein Gebiet an, das immer nass ist. Diese Region wird regelmäßig vom Meer überflutet. Die Stürme der letzten Tage haben hier ihre Spuren hinterlassen. Auf den Wegen liegen angeschwemmte, mittlerweile getrocknete Quallen, die interessante Muster auf dem Sand bilden. Teilweise gehen wir über Teppiche von angespülten Muscheln. Die Priele sind noch voll Wasser und so tief, dass man nur über Umwege zu dem Weg kommt, der auf der anderen Seite weitergeht. Auf jeden Fall ist es eine tolle Gegend mit einer vielfältigen Flora und Fauna.

Nach diesem schönen Spaziergang fahren wir im Regen zurück zu unserem Stellplatz am Jachthafen.

Wanderung durch das Naturschutzgebiet Kwad Hoek

08. Oktober 2025: Scheveningen

Die nächsten Tage möchten wir die Städte Den Haag, Rotterdam und Delft erkunden. Alle drei liegen nah beieinander und sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln verbunden. Delft liegt strategisch günstig genau in der Mitte. Außerdem hat Delft mit dem “Vakantiepark Delftse Hout” einen sehr schönen Campingplatz. Das ist unser Fahrziel für heute.

Gleich nachdem der Platz im Vakantiepark bezogen ist, bringt uns der Bus vom Campingplatz zum Bahnhof in Delft. Von dort gehts weiter mit der Straßenbahn zum Bahnhof in Den Haag. Von dort aus wird die restliche Strecke gelaufen.  Durch ein pagodenähnliches Tor  betreten wir “Chinatown”. Die Straßenschilder sind hier nicht nur in niederländisch, sondern auch in chinesisch. Auch die roten Lampions zeigen deutlich, dass man hier eine andere Welt betritt. An der Groten Marktstraat ist man längst wieder im europäischen Teil angekommen. Entlang der gesamten Straße sind skurrile, aber interessante Skulpturen aufgestellt. Das müssen wir uns für den nächsten Besuch merken. Immer geradeaus weiter stehen wir nach 6km vor dem Kurhaus in Scheveningen.

Auf der Suche nach den “Sprookjesbeelden aan ZeegehenTipp gehen wir die Strandpromenade auf und ab. Die lustigen Märchenskulpturen des amerikanischen Bildhauers Tom Otterness sollte man sich unbedingt anschauen.

Die mehr als zwanzig Kunstwerke zeigen verschiedene Märchen, wie die von Gulliver und Hänsel und Gretel. Am auffälligsten ist der Riesen Haringeter, der zur Ikone des neuen Scheveningen Boulevards geworden ist. Zitat:  https://denhaag.com/nl/sprookjesbeelden-aan-zee

Auf dieser Skulpturentreppe gibt es also eine Menge zu entdecken. Leider war dort gerade jetzt eine Großbaustelle und dadurch nicht alle Figuren zugänglich.

Am Ende der Promenade biegen wir in die Kaizerstraat ab, die älteste, historische Einkaufsstraße Scheveningens. In den ehemaligen Fischerhäuschen sind heute Geschäfte, Andenkenläden, Restaurants und auch große Supermärkte. Wir schauen uns hier nach einem Restaurant um, werden aber nicht richtig fündig. So bleibt nur, an der nächsten Haltestelle in die Straßenbahn zu steigen und zurück nach Delft zu fahren.

09. Oktober 2025: Delft und Den Haag

An einem Kanal entlang führt der Weg vom Campingplatz in die Delfter Innenstadt Tipp. Wie es sich gehört, ist heute auf dem Marktplatz Markt. Viele Leute drängeln sich zwischen den aufgebauten Ständen. Vom schönen Rathaus ist durch die Buden und vielen Menschen nur die Spitze zu sehen.  Die Altstadt von Delft ist durchzogen von Grachten, die mehr als 60 Brücken überqueren. Wir durchstreifen die kleine, gemütlich Stadt mit viel Flair auf dem Weg zum Bahnhof,  denn wir wollen noch einmal nach Den Haag, allerdings mit dem Zug.

Von Bahnhof gehen wir gleich zur Groten Marktstraat, um die Kunstobjekte, die dort stehen, genauer anzuschauen. Wer die Augen offen hält, entdeckt beim Stadtrundgang überall  Störche. Ganz besonders gerne mögen die goldenen Tierchen die Wegweiser, die den Touristen die Richtung anzeigen. Das ist nicht verwunderlich, ist doch der Storch das Wahrzeichen von Den Haag.

Von der Groten Marktstraat zweigt eine kleine Straße ab, die zu dem sehenswerten  Shoppingcenter “De Passage” führt. Es ist mit 135 Jahren die älteste Einkaufspassage der Niederlande. Durch die historischen Gebäude stellt sich ein ganz besonderes Gefühl ein. Ein Ort, an dem man sich gerne aufhält und an dem es auch viel Schönes zu sehen gibt – ein guter Kontrast zu den anderen modernen Einkaufszentren. Von hier ist es nicht weit zum Binnenhof, dem Parlamentsgebäude. Leider war es wegen einer Generalsanierung nicht zugänglich. Wir gehen um den  davor liegenden See, den Hofvijver, herum. Weiter geht es zum Escher Museum und durch das historische Viertel rund um den Denneweg.

Damit beenden wir den Besuch in Den Haag und fahren nach Delft zurück, um dort noch ein bisschen herumzubummeln.

Vom Delfter Bahnhof kommt man über die Poppebrug in die Altstadt. Von der Brücke hat man einen schönen Blick auf die Windmühle von Delft. Es ist schön, die Grachten und die vielen Brücken zu erkunden. Immer wieder tauchen in den Gassen Häuser mit prachtvollen Fassaden auf. Als wir auf den Marktplatz kommen, sind fast alle Stände abgebaut und das Rathaus kann in seiner ganzen Pracht bewundert werden.  Vom Marktplatz geht eine kleine Gasse ab, die vollständig im Stil des Delfter Porzellans bemalt ist. Auf den blau-weißen Motiven sind berühmte Delfter Persönlichkeiten verewigt. Geht man von hier über die Kruybrug und in die Papenstraat, kommt man an einen Stadtplan der besonderen Art: vollständig aus liebevoll gestalteten Keramikkacheln ist dieser historische Plan erstellt!

Auf der Suche nach einem guten Abendessen kommen wir auch auf den Beestenmarkt. Ein kleiner Platz, der total von Restaurants in Beschlag genommen wurde. Wir liebäugeln mit dem “Spijshuis De Dis”, doch leider sind dort keine Tische mehr frei. Nach einer längeren Suche landen wir im “Restaurant Rossio“, wo wir uns von den vielen Kilometern bei einem guten Essen regenerieren können.

Bevor es zum Campingplatz zurück geht, laufen wir noch im Dunkeln etwas durch die Stadt. Es ist eine besondere Atmosphäre mit den beleuchteten Häusern, die sich in den Grachten spiegeln.

10. Oktober 2025: Rotterdam

Heute bringt uns der Zug nach Rotterdam. Viel Streetart und moderne Architektur bietet die große Hafenstadt an der Maas. Gespannt darauf, was und erwartet, verlassen wir den Bahnhof. Der Stadtrundgang führt an der Pauluskerk Tippvorbei zur Einkaufsmeile De Bijenkorf, weiter zum Stadthuis, zum World Trade Center …bis wir endlich an der Markthalle Tipp ankommen. Das war zwar nicht die kürzeste Strecke, aber es lagen etliche Murals am Wegesrand.

Die Markthalle gehört zum Pflichtprogramm eines Rotterdam Besuches. Wobei “Markthalle” nicht die richtige Bezeichnung ist. Vielmehr hat sie sich im Lauf der Jahre zu einem Touristentreffpunkt mit Bars, Imbissständen  und Restaurants gewandelt. Markt gibt es nur noch draußen, zweimal die Woche auf dem großen Platz vor der Halle.

Jenseits des großen Platzes vor der Markthalle sieht man schon die gelben Kubus Häuser. Weiter geht es um den Oudehaven an die Nieuwe Maas, denn ein Blick auf die Willemsbrug muss auch noch sein. Auf dem Fußweg zurück in die Innenstadt entlang der Maas hat man eine wunderbare Sicht auf die moderne Skyline von Rotterdam. Spätestens jetzt fallen die vielen Fahrräder auf, deren Lenker alle eine Gemeinsamkeit haben:  alle fahren ohne Fahrradhelm! Und auch noch mit einem Affenzahn ohne Rücksicht auf Autos und Fußgänger! Fußgänger sind hier gut beraten, sicherhaitshalber selbst einen Fahrradhelm aufzusetzten.

Am Leuvenhafen ist das Maritiem Museum. Hier gibt es, vor dem Hintergrund moderner Hochhäuser, massenhaft alte Kähne zum Anschauen. Über die “Witty” durchquert man das Szeneviertel. Immer die Straße gerade aus und man steht vor dem verspiegelten “Museum Boijmans van Beuningen“. Ein tolles Gebäude! Am richtigen Standpunkt stehend, spiegelt sich die gesamte Rotterdamer Skyline in der Fassade. Von hier gehts zurück zum Bahnhof und nach Delft.

11. Oktober 2025: Delftshaven

Ein letztes Mal bringt uns der Zug heute nach Rotterdam. Vom Bahnhof über das “Museum Boijmans van Beuningen” und die “Kunsthal Rotterdam” laufen wir nach Delftshaven. Wie der Name schon andeutet, hat die Stadt Delft um 1389 hier einen Hafen erbaut und mit einem 13 Kilometer langen Kanal mit dem Ortszentrum verbunden.

Wir bummeln in Delftshaven um den Albrechtskolk und Achterhaven. Ist ja ganz nett, aber viel zu sehen gibt es hier nicht. Das liegt auch an dem trüben, feuchten und kühlen Wetter, bei dem sich niemand so richtig nach draußen traut. Wir verziehen uns in die Stadtbrauerei De Pelgrim und probieren die Bitterballen mit Frites.

Bei immer noch grauen Wolken begeben wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof.

12. Oktober 2025: Die Windmühlen von Kinderdijk

Bevor wir Delft verlassen, zieht es uns noch einmal in das schöne Städtchen. Auf dem Spaziergang decken wir und noch mit Käse und Brötchen aus der “Stadsbakkerij De Diamanten Ring” ein.  Von allen in den letzten 4 Tagen besuchten Städten und Ortschaften hat uns Delft  Tipp mit Abstand am besten gefallen!

Wir entfernen uns heute von der Küste, fahren an Rotterdam vorbei auf den “Camperpark KinderdijkTipp. Kinderdijk Tipp ist bekannt für seine 19 Windmühlen. Der “Windpark” ist seit 1740 in Betrieb und hat über Jahrhunderte die tieferliegende Gegend von Alblasserwaard vom Wasser befreit. Ein eindrucksvolles Zeugnis der holländischen Wasserwirtschaft. Kinderdijk ist seit 1997 ein UNESCO Weltkulturerbe.

Vom Camperpark sind es ca 6 km bis zum Informationszentrum. Am besten nimmt man den befestigten Weg auf der “Middelkade“. Der Blick auf die Windmühlen ist von dort auch optimal. Wie so oft in diesem Urlaub, ist auch heute das Wetter nicht so toll. Graue Wolken, teilweise Nieselregen und keine Sonne. Auf dem Weg zu den Mühlen sehen wir noch zwei freifliegende Papageien. Ihr “Frauchen” hat ihnen ein paar Flugstunden im Freien ermöglicht. Auf Zuruf kommen sie zu ihr zurück – dann geht es mit dem Fahrrad gemeinsam wieder nach Hause!! Am Informationszentrum machen wir kehrt und gehen auf dem gleichen Weg wieder zurück zum Stellplatz.

13. + 14. Oktober 2025: Haarlem

Heute früh ist der Besitzer des Camperparks da. Er führt ein strenges Regime auf dem Platz. Auf dem Weg zur Ver- und Entsorgung ist mir entgangen, dass man den Platz nur im Uhrzeigersinn verlassen darf. Da war was los! Auch durch Entschuldigungen war der Chef nicht zu besänftigen. Der Platz war fast leer und kein Fahrzeug hatte sich zum Zeitpunkt meiner “Missetat” bewegt. Davon abgesehen ist der Camperpark gepflegt und auch empfehlenswert.

Ganz so gepflegt und streng organisiert geht es auf dem nächsten Platz, dem “Urban Camper Stop Amsterdam & Haarlem” nicht zu. Wie der Name schon sagt, ist es hier etwas urban, aber trotzdem ganz nett.  1.4 km vom Platz fährt die Bahn oder ein paar hundert Meter entfernt ein Bus nach Haarlem.

Haarlem Tipp gilt für viele als Geheimtipp. Vielfach wird gesagt, es bietet alles, was Amsterdam auch hat, nur mit weniger Touristen. Was aber definitiv stimmt: Haarlem ist mit seinen ca. 4000 denkmalgeschützten Gebäuden ein richtiges Kleinod. Mit den gotischen Kirchen, gut erhaltenen Fachwerkhäusern, verwinkelten Gassen und den Hofjes (versteckte Innenhöfe) gibt es vieles zu entdecken. Wir schlendern lange durch die Stadt, die uns sehr gut gefällt. Dann bringt uns der Bus zurück zu Iwan.

Am nächsten Morgen beschließen wir, noch einen Tag länger in Haarlem zu bleiben. Es ist einfach zu schön und es gibt noch Vieles zu Entdecken. Heute steht das Amsterdamse Poort auf dem Programm: das letzte noch stehende Stadttor von Haarlem. Nicht weit weg ist De Koepel, das ehemalige Kuppel-Gefängnis. Heute ist es ein lebendiges Zentrum für Studenten, Kino, Kunst, Gastronomie und Ausstellungen. Nach dem Besuch einiger Hofjes suchen wir für einen Imbiss das DeDakkas auf, ein Gastronomiebetrieb auf dem Dach eines Parkhauses. Ein schöner Blick über die Stadt und den Grote Markt ist garantiert von hier oben. Auch eine ehemalige Kirche, die jetzt die JOPEN Brauerei Tippbeherbergt, beehren wir mit einem Besuch.  Das dort produzierte Craft Beer sollt jeder Bierliebhaber mal probieren, es lohnt sich! Danach steht auch noch eine StreetArt Tour auf unserem Tagesprogramm.

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