Die vierte Woche dieser Wohnmobilreise führt durch die nördliche Côte d´Opale von Boulogne-Sur-Mer bis an die belgische Grenze und weiter die Westküste Belgiens entlang. Endstation ist Ostende. Mit dem Cap Gis-Nez und dem Cap Blanc-Nez liegen grandiose Klippen an der Côte d´Opale. Wir besuchen das historische Seebad Wimereux und die vollständig erhaltene Festungsstadt Gravelines. Lange, breite, feine Sandstrände charakteriseren die belgische Küste. Direkt hinter der Grenze treffen wir die Krabbenfischer zu Pferde. Der Beaufort Skulpturenpfad erstreckt sich über die ganzen 67 Kilometer lange Küste. In Ostende lernen wir eine Stadt der Kunst mit viel StreetArt kennen.
23. September 2025: Von Wimereux entlang der Küste
Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Badeort Wimereux an der Mündung des gleichnamigen Flusses erreichtet. Damit ist Wimereux das älteste Seebad an der Opal Küste. Zwischen den Felsklippen der Point de la “Crèche im Süden” und der “Point aux Oies” im Norden liegt der große Sandstrand. Allerdings ist bei Flut davon nichts mehr zu sehen. Deshalb stehen die typischen Badehäuschen, dicht gedrängt in mehreren Reihen, oben auf der Promenade. Wimereux war nach der Gründung schnell sehr beliebt. Um 1900 standen im Städtchen schon 600 Belle-Époque-Seebadvillen. Davon kann man sich immer noch bei einem Spaziergang durch den Ort überzeugen.
Heute wollen wir Wimereux etwas besser kennenlernen und Richtung “Point aux Oies” laufen. Entlang der Strandpromenade reihen sich die alten Villen, teilweise verdeckt von den davor stehenden Strandhäuschen. Auf jeden Fall heutzutage immer noch ein schöner Anblick. Die Strandpromenade endet an der Flussmündung. Dahinter geht es hinauf auf die nördliche Felsklippe. Oben angekommen hat man vom “Point de la Rochette” einen wunderbaren Blick über die Opal Küste. Nach einer ausgiebigen Rast in der Sonne geht es weiter Richtung Ambleteuse. Auf einem mühsam zu gehenden Weg, der mit losen Kieselsteinen belegt ist. Am Aussichtspunkt “La Pointe aux Oies” entschließen wir uns kehrt zu machen.
Hungrig kommen wir nach Wimereux zurück. Nur ist es für französische Verhältnisse zu früh für ein Abendessen. Die Zeit, bis die Restaurants öffnen, verbringen wir mit einem Rundgang durchs Dorf, stellen uns dann noch einige Zeit vor die Tür des Grillrestaurants “Le Ranch“. Die Warteschlange mit hungrigen Gästen wird immer länger. Aber wir haben Glück und bekommen einen kleinen Zweiertisch vor dem Fenster, einer der letzten noch nicht vergebenen. Die Burger mit Frites sind sehr zu empfehlen!
24. September 2025: Cap Gis-Nez
Bevor es zum nächsten Ziel weiter geht, müssen wir noch einmal zurück nach Boulogne. Es gibt noch ein paar Wandmalereien, die unbedingt fotografiert werden müssen. Mit Iwan fahren wir in die Stadt hinein. Am Hafenbecken (Quai Robert Masset) ist ein großer, kostenloser Parkplatz. Auf der anderen Seite des Hafenbeckens ist der Fischmarkt. Auf dem Weg dorthin können wir beobachten, wie ein kleiner Bagger per Kran aus dem Hafenschlick gezogen wird und der Fahrer sich gewagt wieder an Land rettet. Da es noch nicht so spät ist, hat der Fischmarkt auch geöffnet. Immer ein Erlebnis sich das anzuschauen! Von dort gehen wir über Seitenstraßen Richtung Bahnhof. Dann über die “Liane” und entlang des Flusses wieder zurück. Unterwegs gibt es viele Fotostopps bei interessanten Motiven. In der Nähe des Parkplatzes gibt es die Bäckerei “Sophie Lebreuilly” Tipp. Vom Äußeren sollte man sich nicht abschrecken lassen. Innen gibt es sehr leckere Backwaren und ein modern eingerichtetes Café.
Nach dem Einkauf in der Bäckerei fahren wir weiter die Küste entlang nach Norden. Kurz hinter Audresselles geht eine kleine Straße links ab Richtung “Musée du Mur de l’Atlantique“. In der Nähe des Museums liegt der “Camping Municipal” Tipp. Wer es ruhig und abgelegen mag, keine großen Ansprüche an Luxus und Komfort hat, ist hier genau richtig. Nach dem Einchecken wollen wir zu Fuß zum “Cap Gris-Nez” wandern. Es ist schon später Nachmittag, deshalb fällt ein Besuch in dem sicherlich interessanten Museum heute flach. Für den Weg vom Camping zum Cap braucht man eine gute Stunde. Um uns dort umzuschauen, bleibt nicht viel Zeit, wir wollen ja noch im Hellen zurück am Wohnmobil sein. Die Sonne geht bei unserer Rückkehr schon unter. Von einem Aussichtpunkt nahe des Campingplatzes hat man einen wundervollen Blick auf den Sonnenuntergang über dem Meer.
25. September 2025: Cap Blanc-Nez und nach Gravelines
Nach dem Frühstück wollen wir uns am “Cap Gris-Nez“genauer umsehen. Dieses Mal aber motorisiert. Oben am Cap ist ein großer Parkplatz, auf dem auch die Ausflugsbusse Platz haben. Im Gegensatz zu gestern scheint die Sonne. Aber ein extrem starker Wind weht hier oben. Eine dicke Jacke und Kapuze sind angesagt.
Die Landzunge des Cap Gris-Nez erhebt sich steil 50 Meter aus dem Meer. Das Plateau ist oben stark zerklüftet. Hauptsächlich durch die Bombardierungen der massiven Verteidigungsanlagen, von denen noch einige zu sehen sind. Viele Schautafeln informieren über Landschaft und Natur, natürlich auch über die Kriegsereignisse. Durch den starken Wind ist die Luft sehr klar und von den Aussichtsplattformen am Cap ist der Blick bis auf die Kreidefelsen von Dover ungetrübt. Bei Ebbe kann man vom Strand aus das Cap von unten begutachten und auch umrunden.
Wir fahren weiter nach Escalles und stellen am Ortseingang Iwan auf dem Wohnmobilparkplatz ab. Escalles liegt westlich des 150 Meter hohen “Cap Blanc-Nez”. Man kann vom Dorf aus entweder das Cap besteigen oder die Felsen vom Strand aus anschauen. Wir gehen durch das überschaubare Dorf zum Strandzugang und steigen über eine steile Treppe hinunter zum Wasser. Bei Ebbe ist der Strand beeindruckend breit, aber schnell verkleinert er sich auf einen schmalen Streifen, wenn die Flut kommt. Der Blick von unten auf die steilen Felsen ist beeindruckend! Ein Strandspaziergang entlang der Felsen Tipp ist sehr empfehlenswert. Doch immer schön Abstand halten, denn es könnten größere Gesteinsbrocken abbrechen und auf den Strand fallen.
Escalles liegt in unmittelbarer Nähe von Calais, das wir großräumig umfahren. Hinter dem Flugplatz von Calais wir es wieder ländlicher. Im kleinen Städtchen Gravelines Tipp ist für heute die Fahrt zu Ende. An der “Rue du Port“, in unmittelbarer Nähe zur Altstadt, gibt es einen Übernachtungsplatz für Wohnmobilisten Tipp.
Im 17.Jh ließ Ludwig XIV von Vauban eine Festung errichten. Die Stadtanlage und die Festung sind noch fast vollständig erhalten. Dadurch wirkt Gravelines wie ein lebendiges Freilichtmuseum. Im Zentrum der Stadt steht der stolze Belfried und das Rathaus. Nicht weit davon befindet sich die Schlossbastion, die als Park umgestaltet wurde und ein Museum beherbergt. Auf der breiten Festungsmauer kann man den Ortskern umrunden, immer auch mit Blick auf die Wassergräben.
26. September 2025: Die Dünen und der Strand von Koksjide
Adieu Frankreich, heute fahren wir nach Belgien. Kurz hinter der Grenze, auf dem “Camperpark Camper Duin” Tipp in Koksijde liegt unser Ziel. Der Camperpark befindet sich am Rand der Dünen, direkt am Naturschutzgebiet Doornpanne. Die großen, eingeteilten Stellplätze sind auf Grasuntergrund. Es gibt Strom, Ver- und Entsorgung. Für die Körperpflege und sonstige Bedürfnisse ist man aber auf das Wohnmobil angewiesen.
Wir haben einen schönen Randplatz an der Hecke erwischt. Kaum steht Iwan am Platz machen wir uns auf den Weg zum Strand. Die belgische Küste ist mit 65 Kilometern nicht besonders lang, wartet aber mit zwei Besonderheiten auf. Zum einen gibt es entlang der Küste eine Küstenstraßenbahn, die Kusttram. Mit einer Länge von 67 km ist es die längste Straßenbahnlinie der Welt! Die zweite Besonderheit ist der “Beaufort Skulpturenpark” Tipp. Er erstreckt sich über alle Küstengemeinden und kann bequem mit der Tram erkundet werden.
Vom Camperpark gehen wir durch die Dünen nach Koksjide. In der Einkaufsstraße Richtung Strand, die Zeelaan, haben sind viele exklusive Geschäfte und Galerien angesiedelt. Das ist wohl den wohlhabenden Feriengästen an der Küste geschuldet. Am Strand angekommen gehen wir die Promenade nach De Panne. Immer auf der Suche nach den Beaufort-Kunstwerken. Die Promenaden in den belgischen Badeorten sind gewöhnungsbedürftig: lückenlos zugebaut, im Stil der Brutalarchitektur, mit mehrstöckigen Betonbauten. Dazwischen eingezwängt sind noch wenige alte Strandvillen erhalten. Im Krieg sind viele von ihnen verschwunden. Der feine, breite Sandstrand an Belgiens Küste ist allerdings toll.
Gegen Abend kommt der Hunger. Was bietet sich in Belgien mehr an, als eine Portion Mules-Frites. Im Restaurant “De Kursaal” Tipp werden wir fündig. Mules-Frites für 2 Personen inklusive einer Flasche Wein für 75€. Nicht das billigste Angebot, aber sehr gut. Besonders die Mayonnaise, die wir so geschmackvoll während dieser Reise nie mehr wieder bekommen haben. Wusste gar nicht, dass Majo schmecken kann.
27. September 2025: Die Krabbenfischer von Oostduinkerke
Heute steht ein besonderes Ereignis auf dem Programm. Wir müssen uns früh am Strand von Oostduinkerke einfinden. Deshalb fahren wir ein Stück mit Iwan und parken ihn gegenüber des Carrefour. Der restliche Weg zum Strand ist gut zu Fuß zu bewältigen. Als wir ankommen haben sich schon einige Leute auf der Promenade versammelt. Es wird eifrig fotografiert und Kinder dürfen große Kaltblüter Pferde streicheln.
Während der Saison von April-Oktober kann man hier den Krabbenfischer zu Pferde Tipp bei der Arbeit zuschauen. Noch immer ziehen ein paar Fischer bei Ebbe mit ihren Pferden durchs Wasser, um Garnelen zu fangen. Die schweren Kaltblüter laufen bis zur Brust im Meer und ziehen große Schleppnetze hinter sich her. Seit 2013 ist diese Arbeit als UNESCO immaterielles Kulturerbe anerkannt. Bei kühlem Wetter ist es von Vorteil, hohe Gummistiefel mitzunehmen, damit man ohne kalte, nasse Füße durch die Priele und Pfützen in die Nähe des Geschehens laufen kann. Bei warmen Wetter, einfach Schuhe aus und durchwaten. Termine und Uhrzeiten sind im Internet https://www.navigomuseum.be/nl/wanneer-trekken-de-paardenvissers-naar-zee zu finden. An einigen Terminen werden die gefangenen Krabben am Strand gekocht und verkauft.
Im Anschluss an dieses Event erkunden wir den Beaufort Skulpturenpark zwischen Oostduinkerke und Nieuwpoort. Besonders sehenswert ist die Schildkröte (Searching for Utopia) in der Dienstweg Havengeul und die Reiterskulptur am Strand von Nieuwport. Wir gehen dann noch am Fluss Jiser entlang. Den Rückweg erledigt die Küstentram für uns.
28. September 2025: Westende und Ostende
Hinter Nieuwpoort, jenseits Jiser, beginnt die Gemeinde Westende-Middelkerke. Neben dem fast 10 Kilometer langen Sandstrand gibt es dort einige spektakuläre Kunstdenkmäler der Moderne zu sehen. Zwischen Ortseingang und der Jist liegt ein Naturschutzgebiet mit einer ausgeprägten Dünenlandschaft. Am Rand der Dünen, direkt am Ortseingang, parken wir Iwan, gehen an den Strand und dann die Promenade entlang bis Middelkerke. Unter den vielen Kunstwerken, an denen wir vorbei kommen, sind “I can hear you“, OInetop” und der “Caterpillar” sicher die beeindruckendsten.
Immer an der Küste entlang setzen wir die Fahrt fort, durchqueren Ostende und steuern den Campingplatz Duinezwin Tipp in Bredene an. Wie fast überall an der Küste reihen sich die Campingplätze eng aneinander. Es ist oft schwierig zu erkennen, wo der eine anfängt und der andere beginnt. In Ostende selbst gibt es keine Übernachtsmöglichkeiten für Camper. Von Bredene ist man aber schnell und bequem mit der Küstentram in der Stadt, was wir auch gleich in Anspruch nehmen. Noch am Ortsrand, an der Station Oostende Oosteroever, steigen wir aus und gehen in Richtung Hafen. Dort entsteht ein neues Wohnviertel, mit toller und moderner Architektur. Zusätzlich gibt es in dem Viertel auch viel StreetArt zu entdecken.
Überhaupt ist Ostende ein Hotspot für urbane Kunst. Für Interessierte ist die App “Ostend City Walks” empfehlenswert. Darin gibt es mehrere kostenlose Spaziergänge zu den “Crystal Ship” Kunstwerken. Jedes Jahr findet das “The Crystal Ship” Festival statt, zu dem internationale Künstler kommen und Wandgemälde erschaffen oder Skulpturen und Installationen ausstellen.
Ostende ist nicht nur ein Seebad, inzwischen auch eine Kunstmetropole und eine Industriestadt. Entsprechend zwiespältig präsentiert sich die Stadt. Sie hat Ecken und Kanten, schöne und hässliche Ecken. Neben gesichtslosen Neubauten, sehr moderner Architektur, gibt es auch Straßenzüge mit schönen alten Häusern. Dieser Mix hat einen gewissen Reiz, der uns gefallen hat.
Unser erster Rundgang geht durch die westliche Hafengegend bis zum Spuikom, ein zu einem See erweiterter Seitenarm der Kanäle. Und ein guter Platz zur Vogelbeobachtung. Wir können dort eine ganze Weile einem Seidenreiher beim Fischfang zuschauen. Der Rückweg zur Küstentram führt noch an ein paar weiteren Murals vorbei.
29. September 2025: Ostende
Heute gehen wir auf StreetArt Tour in der Innenstadt von Ostende. An der Haltestelle Marie-Joséplein beginnt die Tour. Aber zuerst zieht es uns an die Pier. Dort stehen große, rote, zerknauschte Blechquader. Die Rock Strangers Tipp vom Beaufort Skulpturenpark. Auf der Mole dann noch das “Monument for a Wullok“, eine überlebensgroße Muschel.
Weiter geht es an der Promenade entlang zur Touristeninformation. Dort kann die Tour beginnen. Wir folgen im Wesentlichen der Route “Crystal Ship – Zentrum“, wie sie von der App vorgeschlagen wird. Unterwegs sehen wir Plakate über die gerade stattfindende “Internationale Fotobiënnale 2025”. An verschiedenen Stellen in der Stadt sind in Freiluftgalerien einige Fotografien (oder Fotokunstwerke) ausgestellt. Einen kleinen Zwischenstopp legen wir in “Georgs Tea Room” ein, um Kaffee und Waffeln mit Advocat und Kirschen zu essen.
Am Ende der Tour stellt sich das Problem, was es Kulinarisches zu Abend geben soll. Zufällig und zum Glück kommen wir an der “Slagerij – Traiteur Van Damm” Tipp vorbei. Wir holen uns fürs Frühstück gekochten Schinken, der direkt vom Knochen abgesäbelt wird. Dazu sehr gute Brötchen. Außerdem entscheiden wir uns für eines der in großen Pfannen angebotenen Fertiggerichte. So ausgerüstet steht einem gemütlichen Tagesabschluss im Wohnmobil nichts mehr entgegen.
Die Tour
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